Die Demontage des Dr. Fauci


Mitten in der Corona-Pandemie ignoriert US-Präsident Donald Trump den Rat seines wichtigsten Experten – noch hält er aber an ihm fest.

Juliane Schäuble | DER TAGESSPIEGEL

US-Präsident Donald Trump und der Top-Virologe Anthony Fauci haben seit Wochen nicht mehr direkt miteinander gesprochen.Foto: imago images/ZUMA Wire

Es ist eine Frage, die die USA fast seit Beginn der Coronavirus-Pandemie begleitet: „Wo ist Dr. Fauci?“. Verbunden damit die Spekulation darüber, wie lange Amerikas Top-Virologe sich noch in seinem Job als Regierungsberater im Corona-Krisenstab des Weißen Hauses halten kann – oder wahlweise: halten will. Denn es mutet schon wie eine außerordentliche Übung in Langmut an, was sich Anthony Fauci, der weltweit angesehene und durchaus selbstbewusste Chef des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID), alles bieten lassen muss.

Jüngstes Beispiel: Das Weiße Haus ließ am Wochenende eine Liste mit Faucis angeblichen Fehlern und Widersprüchen in der Krise verteilen, ganz so, als ob es sich bei ihm um einen politischen Gegner handelt, den es öffentlich zu überführen gilt. Darin hieß es, diese habe das Einreiseverbot aus China kritisiert, obwohl das doch Tausenden Amerikanern das Leben gerettet hätte. Auch sei er zunächst gegen das Tragen von Masken gewesen, und jetzt dafür. Als Gegner wird offenbar jeder eingestuft, der es wagt, Aussagen von US-Präsident Donald Trump zu widersprechen, und wie Fauci darauf zu pochen, dass die Lage in den USA weiter extrem gefährlich sei.

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