„Wir2020“ – eine Mixtur aus Esoterik und Mittelstandsideologie

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Wenn die Ballermann-Touristen in die Quarantäne müssen, könnten regressive Strömungen wieder mehr Zulauf bekommen. Doch die neue Partei dürfte kaum eine Zukunft haben

Peter Nowak | TELEPOLIS

„Die Partei … steht für Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Verantwortung und gelebte Demokratie“. Ein solcher Satz könnte bestimmt für auf der Homepage jeder aktuell im Bundestag vertretenen Partei stehen. Alle wollen sie auch „gemeinsam Probleme lösen“, „Kräfte bündeln und gemeinsam starten“.

Doch diese Phrasen stehen auf der Internetpräsenz des neuen Parteiprojekts „Wir2020“, die sich als parlamentarischer Arm der Corona-Maßnahme-Kritiker geriert. Neben den gesammelten Sprechblasen hat die neue Partei auch schon ein Sofortprogramm zu bieten. Der erste Punkt ist, wen wundert es, „die Rücknahme sämtlicher Gesetzesmaßnahmen im Zusammenhang mit den sogenannten Covid 19-Maßnahmen“ und „die Einsetzung eines außerparlamentarischen Untersuchungsausschusses zur sogenannten Covid-19-Pandemie“.

Die Wortwahl macht schon deutlich, dass es sich hier um Menschen handelt, die in Zweifel ziehen, ob es die Pandemie überhaupt gibt. Sie wenden sich also nicht nur gegen Gesetzeseinschränkungen und einer Politik der „Regelbefolgung durch Angsterzeugung“, die seit jeher zu den Strategien für Gesundheitsförderungsmaßnahmen gehört, wie es der US-Psychologe Steven Taylor in dem kürzlich im Psychosozial-Verlag erschienenen Buch „Die Pandemie als psychologische Herausforderung“ beschreibt.

020 will auch die Impfpflicht aufheben, den „Mittelstand als Rückgrat der deutschen Wirtschaft“ stärken und eine „Friedenspolitik auf Augenhöhe“ betreiben.

Auch die Esoterikfraktion muss mit ins Boot

Hier bleibt man genauso unkonkret wie bei der Forderung, die Familien- und Rentenpolitik zu reformieren. Konkreter ist der letzte Punkt, wo die Einführung eines Straftatbestands der Steuerverschwendung gefordert wird. Zur Sozialpolitik findet man im Sofortprogramm ebenso eine Leerstelle wie zum gesamten Bereich der Umweltpolitik.

Schließlich gehören viele derjenigen, die keine Coronapandemie erkennen können, auch zu denjenigen, die vehement bestreiten, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt. Aber da man die nicht kleine Esoterikfraktion unter den Impfgegnern auch nicht verprellen will, heißt es im Wir2020-Grundsatzprogramm:

Eine friedliche Welt ist nur vorstellbar, wenn die gesamte Menschheitsfamilie im Einklang mit sich selbst und der Umwelt zusammenlebt.

Aus den Grundsätzen von Wir2020

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