Die verborgenen Gärten der nördlichen Meere: Auch in kalten Ozeanen wachsen Korallenriffe


Korallen verbindet man eigentlich mit den Tropen. Doch auch in kaltem Wasser bilden Korallen ausgedehnte Riffe und bieten Lebensräume für Tausende Tierarten. Ihre Zukunft ist ungewiss.

Kurt de Swaaf | Neue Zürcher Zeitung

Woher Kaltwasserkorallen ihre unterschiedlichen Färbungen bekommen, ist noch ungeklärt. Womöglich werden sie von kolorierenden Mikroben besiedelt. National Oceanography Centre, UK

Man hätte es ahnen können. Einheimische Fischer und auch die frühen Naturgelehrten wussten um die Existenz von seltsamen Korallenstöcken, die in den Tiefen vor Europas Atlantikküsten wuchsen. Carl von Linné beschrieb einige von ihnen bereits im Jahr 1758. Was eine Expertengruppe jedoch an Bord des Forschungsschiffs «Master Surveyor» im Sommer 1982 beobachtete, übertraf alle Erwartungen. Vor den Augen der Forscher tat sich eine unterseeische Wunderkammer auf.

Das Team untersuchte im Auftrag des norwegischen Ölkonzerns Statoil den Meeresboden. Ziel war es, potenzielle Routen für die Verlegung von Pipelines zu erkunden. Südlich der Insel Fugløya zeigte das Sonar in 120 Metern Tiefe ein merkwürdiges Hindernis. Rund 15 Meter hoch war es, mit einem Durchmesser von ungefähr 50 Metern. Ein Wrack? Ausgeschlossen, bei dieser Form. Man schickte ein ferngesteuertes Mini-U-Boot zum Grund und wartete gespannt darauf, was die Videokameras zeigen würden. Plötzlich tauchte auf den Bildschirmen eine steil emporragende Wand aus Korallenstöcken auf. Die Schiffsbesatzung traute ihre Augen nicht: Ein richtiges Korallenriff, mehrere hundert Kilometer nördlich des Polarkreises und voller Leben.

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