Harvard-Professor Pinker sieht Ideale der Aufklärung gefährdet


Der Linguist, Autor und Harvard-Professor Steven Pinker hat dazu aufgerufen, die Werte der Aufklärung weiter zu verteidigen.

Deutschlandfunk/Nachrichten

Steven Pinker, Psychologe und Kognitionswissenschaftler an der Harvard Universität (picture alliance / dpa / Matthias Balk)

Die Ideale von Humanismus, individueller Freiheit und wissenschaftlichem Denken seien uns nicht einfach gegeben, sagte er der „Welt am Sonntag“. Der US-Kanadier ist einer der prominentesten Unterzeichner eines offenen Briefs, in dem rund 150 Intellektuelle beklagen, dass Meinungsfreiheit vor allem in den USA von ideologischer Konformität bedroht sei. Pinker nannte für seine Unterstützung mehrere Gründe. Zum einen werde durch die sogenannte „Cancel Culture“ das Leben unschuldiger Menschen ruiniert. Zum anderen würde eine jüngere Generation von Intellektuellen, Wissenschaftlern und Künstlern eingeschüchtert und traue sich nicht mehr, eine andere Meinung zu äußern. Außerdem lähme der Trend, Menschen mit anderen Überzeugungen zu verleumden oder zu feuern, die Fähigkeit, kollektiv Probleme zu lösen. Der Kognitionswissenschaftler betonte, dass niemand allwissend sei. Wenn nur bestimmte Ideen diskutiert werden dürften, bleibe man unwissend.

Den Ursprung dieser von ihm kritisierten Bewegung verortet Pinker in den 1960ern bei den sogenannten Babyboomern. Den Millennials warf er vor, aggressiv zu sein und den Opferstatus als Vorwand für Macht zu nutzen.