Hyksos: Aggressive Invasoren oder Profiteure eines Machtvakuums? Historische Fake News um legendäres Volk


Wer war dieses mysteriöse Eroberer-Volk, das für ein Jahrhundert die Herrschaft am Nil an sich riss und dann wieder verschwand. Archäologen und Historiker rätseln schon lange. Eine neue Studie gibt einige Antworten.

DOMRADIO.DE

Archäologische Grabungsstätte der bisher größten neolithischen Siedlung in Israel in Motza© Andrea Krogmann (KNA)

Ihre Geschichte zählt zu den großen Rätseln der
Antike: Da kam ein gefürchtetes Eroberer-Volk vor 3.500 Jahren irgendwo aus dem Nahen Osten, fiel in Ägypten ein, verdrängte die Pharaonen, riss für ein Jahrhundert (1638-1530) die Herrschaft am Nil an sich (15.-17. Dynastie) und verschwand ebenso plötzlich wieder vom Radar. Das Schicksal der Hyksos fasziniert Historiker und Archäologen. Jahrzehntelang erforschen sie schon die alte Hauptstadt Avaris im östlichen Nildelta.

Kreative Bibelforscher vermuteten sogar eine Verbindung zu den Israeliten. Denn auch diese zogen aus dem Land Kanaan ins Nildelta, machten am Herrscherhof Karriere, fielen dann aber in Ungnade und brachen ebenso überstürzt wieder auf zum „Exodus“ ins Gelobte Land. Doch nach jüngsten Forschungen soll die Geschichte der Hyksos gar nicht so spektakulär gewesen sein, wie Historiker über Jahrhunderte vermuteten.

Aggressive Eroberer?

Schon in der Antike stellten Schriftsteller sie als aggressive Eroberer und barbarische Räuber dar. Wie die Wissenschafts-Onlinezeitschrift „Plos one“ (Mittwoch) darlegt, waren die Hyksos weder ein einheitliches Volk aus der Levante noch eine Horde mysteriöser Invasoren, die plötzlich am Nil einbrachen. Vielmehr handelte es sich um Einwanderer, die sich in einem jahrhundertelangen Migrationsprozess aus verschiedenen Teilen des Nahen Ostens in Ägypten niedergelassen hatten. Sie waren dort zur neuen Elite aufstiegen, übernahmen in der Unruhephase und dem Machtvakuum der „Zweiten Zwischenzeit“ vorübergehend die Regierung, bevor dann die einheimischen Pharaonen wieder die Oberhand gewannen und die Fremden vertrieben.

weiterlesen