Jüdische Aktionswoche der CDU: Komm, wir spielen Juden!


Mit der Aktion „Von Schabbat zu Schabbat“ will die CDU jüdisches Leben abbilden. Doch Jüdinnen und Juden sind nur Projektionsfläche deutscher Folklore.

Erica Zingher | taz

Das Gegenteil von Gut ist Gut gemeint: Kramp-Karrenbauer fantasierte jüdisches Leben herbei Foto: Metodi Popow/imago

Die CDU spielt seit Beginn dieser Woche das Judentum nach. Ein paar CDU-Politiker:innen, jüdisch-religiöse Symbole und die Fähigkeit, „Schabbat Schalom“ in eine Kamera zu sprechen, mehr braucht es dafür nicht. „Von Schabbat zu Schabbat“ heißt die sogenannte Aktionswoche der CDU, mit der die Partei, so steht es auf ihrer Website, „jüdisches Leben in seiner Vielfalt“ abbilden will.

In einer Fotoserie präsentiert Annegret Kramp-Karrenbauer, wie sie eine Chanukkia in der Hand halten kann. Silvia Breher verkleidet sich für Purim. Und Stefan Evers, der toppt alles, lässt sich mit Kippa, Tallit und Gebetbuch ablichten. Jüdisches Leben, wie es sich die CDU herbeifantasiert.

In Deutschland haben leider viele – und dazu zählen nicht nur CDU-Politiker:innen – ein ziemlich schräges Bild von Jüdinnen:Juden. In ihrer Vorstellung läuft der fantasierte Jude die meiste Zeit seines Tages mit Kippa herum, er hat eine Davidsternkette um den Hals hängen, und unterm Arm trägt er ständig eine Chanukkia durch die Gegend. Dieser Fantasiejude lauscht am Abend seiner liebsten Klezmerband und ernährt sich, eh klar, nur koscher.

weiterlesen