Aufarbeitung des Kolonialismus: „Kein philosophisches Denken ist heilig“


Der Kolonialismus hat bis heute Spuren in unserem Denken hinterlassen. Um sie zu beseitigen, müsse die Geschichte der Philosophie neu gedacht werden, sagte die Philosophin Nadia Yala Kisukidi im Dlf: „Es gibt eine Sammlung von Idiotien in der Philosophie und die muss man zerpflücken.“

Nadia Yala Kisukidi im Gespräch mit Änne Seidel | Deutschlandfunk

In der Kritik: Im Zuge der Dekolonisierung wird auch über die Schriften Immanuel Kants diskutiert. (imago images/imagebroker/Gabriele Thielmann)

Die Philosophin Nadia Yala Kisukidi beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Dekolonisierung des Denkens. Sie wurde 1978 in Brüssel geboren, als Tochter eines Kongolesen und einer Franko-Italienerin. Sie war Vizepräsident des Collège International de Philosophie in Paris und lehrt heute an der Universität Paris 8.

Es werde mittlerweile anerkannt, dass im Namen des Kolonialismus Verbrechen geschahen und dass er wirtschaftliche Ungerechtigkeiten geschaffen hat, sagte Kisukidi im Dlf. Aber es falle noch schwer, einzuräumen, dass es auch auf dem Gebiet des Denkens und in unserer Vorstellung Ungerechtigkeit gibt. In ihrer Disziplin, der Philosophie, sei etwa immer noch ein falsches Bild des afrikanischen Kontinents verbreitet – nämlich das Bild eines Kontinents ohne Geschichte, ohne Schriftkultur und ohne Philosophen. Dieses Bild gehe auf die Denker und Autoren der Kolonialzeit zurück. 

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