Als erstes Land hat Uruguay Cannabis vollständig legalisiert: Was ist aus dem Experiment geworden?


Vor sechseinhalb Jahren hat Uruguay Cannabis für «Genusszwecke» legalisiert. Der damalige Präsident José Mujica sprach von einem Experiment. Eine Zwischenbilanz.

Nicole Anliker | Neue Zürcher Zeitung

Im Gewächshaus der Fotmer SA in Nueva Helvecia wird Cannabis für den legalen Handel angebaut. Eilon Paz / Bloomberg

Speziell gekennzeichnet ist die Farmacia Antártida im Zentrum von Montevideo nicht. Erst beim Gang zur Kasse wird bemerkbar, dass in der Apotheke noch anderes als nur Medikamente und Hygieneprodukte verkauft wird. Hanfpfeifen und Hanfmühlen gibt es in der Vitrine, in einem kleinen Gestell auf dem Tresen stehen Drehpapiere für Joints in diversen Grössen. Er kaufe rund 30 Gramm Marihuana im Monat ein, sagt Felipe Peña*. Und betont: «meist in der Farmacia Antártida». Die Qualität des Grases sei gut, die Auswahl breit. Er lächelt. Sein Kiffer-Glück hat der 29-Jährige Vater Staat zu verdanken: Denn in Uruguay, dem kleinen, nördlich von Argentinien an der Atlantikküste liegenden Land mit 3,4 Millionen Einwohnern, produziert und vertreibt dieser Cannabis mit Gütesiegel.

Zu «Genusszwecken» kiffen

Im Dezember 2013 hat Uruguay als erstes Land weltweit Cannabis zu «Genusszwecken» vollständig legalisiert. Ziel war es, das Geschäft mit dem Rauschmittel aus den Händen der Mafia zu befreien. Der damalige, linke Präsident José Mujica zeigte sich davon überzeugt, dass die Folgen des Verbots schlimmer sind als jene des Konsums selber. Die Entkriminalisierung stellte er als Reaktion auf eine Realität dar, die Menschenleben koste und das organisierte Verbrechen bereichere. Uruguay preschte damit als Pionier vor in einer Region, in der die Prohibition von Drogen zu ausufernder Gewalt geführt hat und darum zunehmend infrage gestellt wird.

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