Einer Äbtissin wird wegen Kirchenasyls der Prozess gemacht


Eine Äbtissin als Angeklagte – das ist etwas Neues, zumindest für die bayerische Justiz. Am 31. Juli muss sich eine Benediktinerin dafür verantworten, dass sie eine junge Asylbewerberin in ihre Obhut genommen hat.

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Mutter Mechthild Thürmer ist eine resolute Frau, die sich nicht so schnell einschüchtern lässt. Mehr als 30 Mal hat die Äbtissin Asylbewerberinnen in ihrem Kloster im oberfränkischen Kirchschletten Unterschlupf gewährt. Nun sollte sie erstmals dafür eine Geldstrafe zahlen. Weil sie sich weigert, wird ihr am 31. Juli vor dem Amtsgericht Bamberg der Prozess gemacht.

Aus christlichem Geist gehandelt

„Ich habe aus christlichem Geist gehandelt“, sagt die 62-jährige Äbtissin. „Einem Menschen in Not konkret zu helfen, kann keine Straftat sein.“ Im Herbst 2018 entschied sie, in ihrem Konvent eine junge Eritreerin aufzunehmen, die nach Italien abgeschoben werden sollte. „Dort hätte das junge Mädchen unter Brücken schlafen müssen und wäre Vergewaltigung und Zwangsprostitution ausgesetzt gewesen“, sagt die Ordensfrau. „Das konnte ich nicht hinnehmen.“ Überdies, wenn dadurch auch noch eine Familie auseinandergerissen würde.

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