Islamtheologe Khorchide: „Politischer Islam viel gefährlicher als Jihadismus“


Mouhanad Khorchide will die Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) in die Arbeit der Dokumentationsstelle politischer Islam einbeziehen, mitarbeiten solle sie aber nicht

Jan Michael Marchart | DERSTANDARD

Der Wissenschafter und Autor Mouhanad Khorchide erwartet, dass Akteure des politischen Islam viel Druck auf die Grünen machen werden, um einen Spalt in die Koalition zu treiben. Foto: Heribert Corn

Die Dokumentationsstelle Politischer Islam von Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) ist noch nicht eingerichtet, schon hagelt es Kritik. Auch von den Grünen. Der Islamtheologe Mouhanad Khorchide unterstützt die Regierung beim Aufbau und hofft, dass Politik und Gesellschaft bald einsehen, dass hier zu viel auf dem Spiel steht, um sich jetzt im Parteigeplänkel zu verlieren.

STANDARD: Sie mussten die Dokumentationsstelle bereits gegen Kritik verteidigen. Was macht Sie so sicher, dass sie etwas bewirken wird?

Khorchide: Weil wir endlich über den politischen Islam reden, und zwar auf einer sachlichen Ebene. Davor haben wir das ausschließlich über den Jihadismus, Salafismus und den gewalttätigen Extremismus getan, und dabei aus den Augen verloren, dass es mit dem politischen Islam ein weiteres Phänomen gibt, das im Gegensatz zu Europa viele islamische Länder bereits als große Gefahr erkannt haben. Als Wissenschafter kann man nur froh sein, dass sich durch die Dokustelle Dinge erschließen können, über die wir noch sehr wenig wissen.

STANDARD: Worüber reden wir überhaupt, wenn wir den politischen Islam meinen?

Khorchide: Das ist eine der ersten und zentralsten Fragen, die die Dokustelle präzisieren muss. Im Grunde beschreibt der Begriff eine menschenfeindliche Ideologie, die die Herrschaft im Namen des Islam anstrebt. Die Religion dient als Mittel, um Gläubige zu manipulieren. Der politische Islam richtet sich gegen uns alle und ist viel gefährlicher als der Jihadismus und Salafismus, weil er viel subtiler, nämlich in Krawatte und Anzug, auftritt. Das durchschauen viele Politiker noch nicht, mit denen ich rede.

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