Die neue vatikanische Instruktion zu Gemeindereformen dürfte all jene vor den Kopf stoßen, die sich bislang darum bemüht haben, auf den zunehmenden Priestermangel in der Kirche zu reagieren, kommentiert Felix Neumann. Zudem zementiere das Papier den zumindest von Optimisten überwunden geglaubten totalen Klerikalismus.
Felix Neumann | katholisch.de
Die Kleruskongregation zündet viele pastorale Nebelkerzen in ihrer neuen Instruktion zur „pastoralen Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst der missionarischen Sendung der Kirche“, bevor sie jeden Versuch einer partizipativen Pfarreileitung so deutlich wie nie ausschließt. Nimmt man sie ernst, wird das in vielen deutschen Bistümern einen empfindlichen Abbau an Beteiligungsrechten der Laien bedeuten. Die Instruktion dürfte alle vor den Kopf stoßen, die sich in den letzten Jahren bemüht haben, auf den Priestermangel zu reagieren und das Leben in den Pfarreien trotzdem organisatorisch abzusichern – und sie ist ein Dokument eines zumindest von Optimisten überwunden geglaubten totalen Klerikalismus.
Die Beobachtungen in den ersten Kapiteln der Instruktion sind durchaus treffend. Dass die territoriale Ausrichtung von Pfarreien etwa ihre Selbstverständlichkeit verliert angesichts gestiegener Mobilität und Digitalisierung. Dass die „bloße Wiederholung von Aktivitäten, die das Leben der Menschen nicht berühren“ sterile Überlebensversuche sind, die oft mit „allgemeiner Gleichgültigkeit zur Kenntnis genommen“ werden, ist eine so schmerzhafte wie zutreffende Beobachtung, gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen der Kirchenbindung nicht nur in Deutschland.