Debatte um Zeugen Jehovas ohne Doppelmoral führen


Es ist wichtig, sich genau anzuschauen, was bei den Zeugen Jehovas vor sich geht. Doch dabei sollten die gleiche Maßstäbe gelten wie bei anderen Religionsgruppen auch. Ein Kommentar.

Andreas Sieler | Frankfurter Rundschau

Mitglieder der Zeugen Jehovas werden bis heute in vielen Ländern verfolgt. Auch Deutschland tut sich mit dem richtigen Umgang schwer: von den Nazis gejagt und in der DDR untersagt, genießt die Glaubensgemeinschaft heute die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Nun ist ein Schweizer Urteil rechtskräftig, das von im Ansatz menschenrechtsverletzenden Praktiken und Mobbing bei den Zeugen Jehovas spricht. Tatsächlich ist manches an der Glaubensgemeinschaft zu kritisieren: ihr Umgang mit Kindesmissbrauch, die Verweigerung von Bluttransfusionen, die Ächtung von Aussteigern – vieles ist für eine offene Gesellschaft schwer zu ertragen. Die Aberkennung des Status wäre dennoch voreilig. Wichtiger ist es, genau hinzuschauen, was innerhalb der Gemeinschaft vor sich geht, und kritische Fragen zu stellen. Missbrauch gibt es auch in der katholischen Kirche. Deswegen sollten im Umgang mit den Zeugen Jehovas die gleichen Maßstäbe gelten wie bei anderen Religionsgruppen auch. Es ist höchste Zeit für eine Debatte frei von Doppelmoral.