„Raus, raus du Dieb“


Eigentlich wollten der spanische König Felipe und seine Frau Letizia schon am vergangenen Freitag Katalonien besuchen. Der Besuch wurde, offensichtlich angesichts geplanter massiver Proteste in Barcelona, von einem Königshaus verschoben, das immer tiefer in Skandale verstrickt ist. Deshalb war kurzzeitig die geplante Besuchsroute geändert worden und das Königspaar fand sich zunächst zur eiligen Kurzvisite im Baskenland ein. Aber auch in Bilbao und Gasteiz wurde es von Demonstranten empfangen und ausgepfiffen.

Ralf Streck | TELEPOLIS

Proteste gegen König. Bild: Omnium Cultural

Die Monarchie wackelt

Ganz ähnlich verlief auch der Besuch am Montag, als Felipe und Letizia sich doch noch zur Stippvisite in Katalonien einfanden. Auf ihrem Programm stand dabei aber nur noch das Kloster Santa María de Poblet in der südlichen Provinz Tarragona. Obwohl dieser neue Besuch kurzfristig angesetzt worden war, hatten sich trotz der enormen Sommerhitze Tausende Menschen, mit Fahnen der Unabhängigkeitsbewegung bewaffnet, in der Nähe des Klosters versammelt.

Sie zogen im Demonstrationszug zum Kloster, um gegen den Monarchen und für eine katalanische Republik zu protestieren. Schon am Morgen war eine Schnellzugtrasse mit brennenden Barrikaden blockiert worden, um gegen die Anwesenheit des spanischen Staats- und Militärchefs in Katalonien zu protestieren.

Die Polizei setzte am Kloster zum Teil auch Schlagstöcke ein, als Demonstranten versuchten, sich durch die Polizeikette zu drängeln. Insgesamt blieb der Protest aber friedlich. „Catalunya no te rei“ (Katalonien hat keinen König) wurde dabei von den Protestierern immer wieder skandiert.

„Raus, raus, du Dieb“, wurde Felipe bei seiner eiligen Abreise nachgerufen. Eigentlich hatte das Königshaus am Abend noch einen Besuch in Barcelona geplant. Der wurde schließlich erneut plötzlich abgesagt, offiziell wegen der Coronavirus-Infektionen. Offenbar wollte man Bilder mit sehr großen Protesten angesichts der Tatsache vermeiden, dass die vom Diktator Franco restaurierte Monarchie wieder einmal deutlich wackelt.

Der ungeliebte Felipe

Der ungeliebte Felipe hatte sich, statt die ihm von der Verfassung zugewiesenen Vermittlerrolle einzunehmen, mit seiner Brandrede klar mit dem spanischen Nationalismus gegen das Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober 2017 in Katalonien gestellt und sich damit noch mehr Feinde in einem Gebiet gemacht, in dem die republikanische Bewegung sehr stark ist. Die Minderheit in Katalonien, die den vom Diktator Franco als Nachfolger eingesetzten König anerkennt, wurde deshalb noch deutlich kleiner.

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