Ist nur der Islam „politisch“?


Die Diskussion um einen sogenannten „politischen Islam“ findet kein Ende, zumal die Regierung aufgrund einzelner jüngerer Vorfälle in Wien wieder auf die Einrichtung einer eigenen Dokumentationsstelle für eben diesen „politischen Islam“ hingewiesen hat. Diese wird aktuell installiert und deren Leitung soll noch dazu gendergerecht besetzt werden. Man darf gespannt sein.

Franz Winter | DERSTANDARD

Die Debatte darüber schwelt schon länger und entzündet sich zum einen an der Begrifflichkeit „politischer Islam“, zum anderen an der Frage, ob man das wirklich auf den Islam beschränken sollte oder darf. Dabei berührt diese Frage zentrale Momente des Verhältnisses von Staat und Religionen, das sich schwieriger gestaltet als oft angenommen.

Naivität ist nicht angebracht

Einige machen es sich in der Debatte einfach oder agieren schlichtweg naiv. So wurde beispielsweise als Argument gegen den Begriff „politischer Islam“ ins Spiel gebracht, dass es ja auch ein „politisches“ Christentum gäbe, wofür unter anderem das (weithin vermutlich nicht so bekannte) Werk des deutschen Priesters und Fundamentaltheologen Johann Baptist Metz zitiert wurde. Dass dessen Programm einer „politischen Theologie“ aber auch gar nichts zu tun hat mit den Aktivitäten von Gemeinschaften, die im Zentrum der Debatte um einen „politischen Islam“ stehen, sollte eigentlich auf der Hand liegen.

„Politischer Islam“

Denn bei dieser Diskussion geht es nicht um das politische und gesellschaftliche Engagement von Muslimen, das im Gegenteil sehr zu begrüßen wäre, sondern um etwas ganz anderes: Gemeinschaften und Organisationen, die unter Bezug auf die islamische Tradition an der Etablierung von Strukturen arbeiten, die einen von ihnen konstruierten, im Übrigen sehr inhaltsleeren „Islam“ in der Gesellschaft installieren sollen und damit aber die Grundfesten eines liberalen, säkularen Staates aushebeln.

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