Kafala-System: Moderne Sklaverei in arabischen Ländern


Ein Aktivismus, der den Rassismus in den USA verurteilt, aber die Ausbeutung von Arbeitern im Rahmen einer Fußball-Weltmeisterschaft ignoriert, kann nicht überzeugen

Elias Feroz | TELEPOLIS

Katar. Bild: Steven Byles/CC BY-SA-2.0

Diskriminierung gegenüber Minderheiten ist leider auf der ganzen Welt immer noch ein tiefgreifendes gesellschaftliches Problem, das jedoch in den vergangenen Wochen aufgrund diverser tragischer Ereignisse und den darauffolgenden Protestbewegungen an Aufmerksamkeit dazugewonnen hat – zumindest in manchen Ländern.

Allerdings findet die Ungleichbehandlung nicht überall Gehör. In einigen arabisch-sprachigen Ländern, wie dem Libanon oder den Golfstaaten beispielsweise, findet regelrecht eine Ausbeutung gegenüber ausländischen Arbeitern und Arbeiterinnen statt.

Der Libanon hat gegenwärtig nicht nur mit Corona zu kämpfen, sondern auch mit einer gravierenden Wirtschaftskrise. Ausländische Arbeiterinnen und Arbeiter trifft es hierbei besonders hart: Sie werden von ihren Arbeitgebern einfach auf die Straße ausgesetzt, da sie aufgrund der extrem hohen Inflation nicht mehr bezahlt werden können. Die meisten der Ausgesetzten sind Frauen, die aus Ländern wie Äthiopien, Ghana oder südostasiatischen Staaten wie Indonesien immigrierten.

Sie kümmerten sich um die Haushalte der wohlhabenden Schicht des Libanons. Jene Schicht, die sich Hausangestellte leisten konnte. Dennoch war das Leben vieler der arbeitenden Frauen auch vor der Krise eine buchstäbliche Hölle. Schuld daran ist das Kafala-System, eine Ordnung, welche die absolute Abhängigkeit der Arbeiter gegenüber den Arbeitgebern zulässt.

Von Ausbeutung bis zu sexuellen Misshandlungen

Arbeitsmigranten sind im Libanon vom Arbeitsgesetz ausgenommen. Stattdessen hängt das legale Aufenthaltsrecht dieser Arbeiterinnen und Arbeiter an das Vertragsverhältnis mit dem Arbeitgeber bzw. dem Bürgen (arabisch: „Kafil“). Löst er das Arbeitsverhältnis auf, so verlieren sie das Aufenthaltsrecht und müssen ausreisen. Die Arbeitnehmer haben auch nicht das Recht den Arbeitgeber ohne dessen Erlaubnis zu wechseln.

Aufgrund dieser absoluten Abhängigkeit ist es einfach die Arbeiter unter Druck zu setzen. Die Deutsche Welle spricht von einem monatlichen Gehalt zwischen 150 und 250 US-Dollar. Bereits vor der Wirtschaftskrise wurden allerdings viele Hausangestellte über Monate hinweg nicht ausbezahlt. Die meisten Arbeitskräfte aus afrikanischen oder asiatischen Ländern kommen in den Libanon mit der Hoffnung etwas Geld zu verdienen, welches sie ihren Familien im jeweiligen Heimatland zuschicken können.

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