«Jesus kann kein Jude gewesen sein!»: Wie sich die evangelische Kirche im «Dritten Reich» den Nazis angedient hat


Das Christentum war Hitler im Weg, nicht nur weil Jesus Jude war. Die evangelische Kirche reagierte entschieden: Das «Entjudungsinstitut» in Eisenach bekam 1939 die Aufgabe, Glaube und Kirche von allem Jüdischen zu befreien. Und nach 1945 ging die Geschichte weiter.

Paul Kahl | Neue Zürcher Zeitung

Stramm für Führer und Reich: Landesbischof Ludwig Müller im September 1933 bei der Eröffnung der Nationalsynode in Wittenberg. Später wurde Müller zum Reichsbischof ernannt. Bundesarchiv 183-H25547

Das Christentum wurde von einem Juden begründet, die christliche Religion wurzelt in der jüdischen. Das ist unbestreitbar, und genau deshalb war es für die Nationalsozialisten so unerträglich. Alfred Rosenberg, der führende Ideologe der NSDAP, empfahl 1930 das Alte Testament kurzerhand und «ein für alle Mal» abzuschaffen. In den Anfängen bekannte sich die Partei noch zu einem «positiven Christentum», aber bald wurde klar: An die Stelle des Christentums sollten neuheidnische Rituale treten. Im kleinen Kreis liess Hitler wissen, er wolle die Kirchen «abfaulen» lassen «wie ein brandiges Glied».

Wie reagierte die evangelische Kirche in Deutschland? Mit Entschlossenheit: Am 6. Mai 1939 wurde im thüringischen Eisenach das «Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben» gegründet, ein Institut, das erst in jüngerer Zeit zum Gegenstand historischer Forschung geworden ist. Es wurde getragen von elf deutschen evangelischen Landeskirchen, die sich zur Finanzierung des Instituts zusammentaten – ohne Zwang durch den NS-Staat.

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