Religion und Wissenschaft: Eine Brücke aus spirituellen Gedanken


Als Christ und Physiker hat Markolf H. Niemz einen spirituellen Blick auf die Wissenschaft. Religion und Wissenschaft müssen sich aus seiner Sicht nicht ausschließen. Daraus ergibt sich ein besonderes Potential, schreibt er in seinem Gastbeitrag. Und es löst die alte Frage von Huhn und Ei.

Markolf H. Niemz | katholisch.de

Wir bedienen uns heute vor allem zweier Quellen, um der Wahrheit im Kosmos auf die Spur zu kommen: Religion (ein „Zurückbinden“ auf Früheres) und Naturwissenschaft. Auf den ersten Blick könnten diese beiden Quellen unterschiedlicher kaum sein. Religionen gehen dogmatisch vor: Ihr Fundament ist der Glaube; er stützt sich auf überlieferte Texte, die nicht weiter hinterfragt werden. Naturwissenschaften sind demgegenüber pragmatisch und äußerst lernfähig: Ihr Fundament sind überprüfbare Fakten; ihre Theorien werden stets an jüngste Erkenntnisse angepasst und fordern explizit zum kritischen Hinterfragen auf.

Tatsächlich hat es den Anschein, als klafften die Wege so auseinander, dass sie uns nie und nimmer zum selben Ziel führen können. Und doch sollten wir uns immer wieder bewusst machen, dass sich Religionen und Naturwissenschaften mit ein und derselben Welt befassen und es somit auch nur ein gemeinsames Ziel geben kann.

Vor einiger Zeit hat mich der deutsche Mystiker Willigis Jäger ein äußerst weises Bild gelehrt: Die Religionen, die Naturwissenschaften und auch der Buddhismus als Lebensphilosophie sind Wegweiser, die uns auf der Suche nach der Wahrheit Orientierung geben können. Die Wahrheit ist unser wahres Ziel. Wichtig ist: Die Wahrheit ist niemals außerhalb, sondern stets mitten unter uns. Sie lässt sich am besten vom Gipfel eines hohen Berges erfassen, den wir auf unterschiedlichen Wegen erklimmen können. Manche Wege sind länger, andere kürzer. Der Weg der Naturwissenschaften ist der kürzeste, weil sie sich mit der Mathematik einer nüchternen, aber sehr präzisen Sprache bedienen.

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