Auf dem Weg zum „wohlmeinenden Diktator“?


Selten hatten die Evangelikalen so viel Einfluss wie unter Donald Trump.“ Diese Einschätzung des Journalisten Andreas Mink, veröffentlicht in der Zeit, beschreibt die Verhältnisse des politischen Systems der USA.

Stefan Wogawa | HINTERGRUND.de

Dabei war Trump vor seiner Präsidentschaftskandidatur nicht durch religiöse Statements aufgefallen. „Der Machtpolitiker Trump aber hat diese Haltung im Wahlkampf 2016 schnell revidiert, um sich die Stimmen der weißen, evangelikalen Wähler zu sichern“, so Minks Analyse. Inzwischen setzt Trump auf einen regelrechten religiösen Kulturkampf, dessen Themen vor allem Kreationismus, Abtreibung und Klimapolitik sind. Damit stößt der Präsident insbesondere im Süden und im Mittleren Westen der USA auf rege Zustimmung: Der sogenannte Bible Belt gilt als rechtskonservativevangelikales Reservoir der Republikanischen Partei.

Trotz eines formal laizistischen Staatswesens hat in den USA „der christliche Glaube seit der Staatsgründung eine zentrale gesellschaftliche Bedeutung“, betont der Journalist Carl Kinsky im Magazin der rechte rand. 2.Im Mittelpunkt steht hierbei aus historischen Gründen der Protestantismus: Die USA waren lange Zeit Zufluchtsort für Protestanten aus Europa. Der Einfluss protestantischer Erweckungsbewegungen, die Zunahme religiös-nationalistischer Vorstellungen von den USA als „Gods own country“ und die Vermischung von Religion und Politik haben vor allem innerhalb des Protestantismus eine neue religiöse Spielart entstehen lassen: die Evangelikalen. Sie legen auch noch im 21. Jahrhundert die Bibel wörtlich aus, betrachten diese als historische Wahrheit sowie wichtigste Autorität und können aus guten Gründen als fundamentalistisch bezeichnet werden. Eine derartige Verquickung von Religion und Politik ist ansonsten vor allem aus islamischen „Gottesstaaten“ bekannt. Evangelikale nehmen heute in den USA „eine zentrale Stellung als Teil der christlichen Rechten ein“, so Kinsky. Seit dem republikanischen Präsidenten Ronald Reagan (1981–1989) habe sich ihr politischer Einfluss etabliert. Kinsky macht zudem darauf aufmerksam, dass der Kreationismus – zunehmend auch als Gegenpol zum Umweltschutz – zentral für den Glauben der Evangelikalen ist. Der Kreationismus geht davon aus, dass die biologische Vielfalt nicht durch natürliche Ursachen, sondern durch Einwirkung übernatürlicher Kräfte entstanden ist. 3.Im engeren Sinne ist hiermit der Gott der Bibel gemeint.

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