Menschenaffe oder Ebenbild Gottes?

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Die biblische Schöpfungsgeschichte und die Naturwissenschaften scheinen widersprüchlich zu sein. Der Theologe Günther Boss klärt auf.

Liechtensteiner Vaterland

Die Gretchenfrage, wie es das Christentum mit der Naturwissenschaft hält, hätte Günther Boss anhand eines Vortrags beim Seniorenkolleg, der wegen des Coronavirus auf nächstes Jahr verschoben wurde, zu beantworten versucht. Für manchen Christen oder Atheisten mag ein krasser Widerspruch zwischen der biblischen Schöpfungsgeschichte und der Urknall- und der Evolutionstheorie bestehen. Boss erklärt jedoch, dass das eine das andere laut der heutigen katholischen Theologie nicht ausschliesse.

Darwin brachte die Kirche nur kurz ins Straucheln

Charles Darwins Werk «Über die Entstehung der Arten» erschien 1859 und stiess seitens der Kirchen auf wenig Gegenliebe. Die buchstabengetreue Auslegung der Bibel und der Anspruch der Kirche, alleinige Besitzerin fundamentaler Wahrheiten zu sein, wurde öffentlich in Frage gestellt. Dass Primaten, die sich von Ast zu Ast schwingen, sich gegenseitig entlausen und über eine ausgeprägte Körperbehaarung verfügen, neu als nächste Verwandte des Menschen galten, bedrohte zudem den Status des Menschen als Ebenbild Gottes. Dennoch, der Vatikan stellte das Werk, das das Verständnis der Welt grundlegend verändern sollte, nicht auf den Index. Denn die katholische Kirche musste sich nicht neu erfinden, um die Evolutionstheorie zu integrieren, sondern sich lediglich an die Kirchenväter und die Heiligen im Mittelalter zurückerinnern, welche die Bibel bereits anhand von Gleichnissen auslegten.

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