TV-Tipp: „Bibeltreue Supermacht – Evangelikale in den USA“ (ZDFinfo)


Witzbolde würden ergänzen: „…und die Erde ist eine Scheibe.“ Tatsächlich ist es jedoch einigermaßen verstörend, was die Wissenschaftlerin – oder sollte es besser „Wissenschaftlerin“ heißen? – von sich gibt. Ganz ernsthaft verkündet die promovierte Paläontologin ihre Sicht der Weltentstehung.

Tilmann P. Gangloff | evangelisch.de

Filmautorin Sarah Fournier hat die Frau im Creation Museum in Petersburg, Kentucky, getroffen. Kreationisten glauben, dass Gott die Welt erschaffen hat. Das tun andere Christen natürlich auch, aber die Kreationisten nehmen die Bibel beim Wort. Sie sind überzeugt, dass die gesamte Schöpfung gerade mal 6.000 Jahre alt ist. Auf die Frage, wie sie sich menschliche Skelette erkläre, die eindeutig älter seien, nämlich bis zu einigen Millionen Jahren, antwortet die Wissenschaftlerin ohne einen Hauch von Zweifel: Das seien Fälschungen.

Nachfragen dieser Art stellt Fournier leider viel zu selten, was schade ist, denn viele ihrer Beobachtungen schreien geradezu danach; die Autorin beschränkt sich jedoch darauf, den Menschen zuzuhören. Vielleicht ging das auch gar nicht anders, weil ihre Interviewpartner die Gespräche sonst abgebrochen hätten. So jedoch geben sich die Männer, Frauen und Jugendlichen sehr offen. Einige Familien erweisen sich zudem als ausgesprochen gastfreundlich und haben dem Filmteam bereitwillig ihr Haus geöffnet. Sie alle sind Evangelikale, und unter anderen Umständen ließen sich ihre seltsamen Anschauungen als Irrwege einer Minderheit betrachten, aber mit 60 Millionen Mitgliedern gelten die Evangelikalen als die größte Religionsgruppe in den USA. So erklärt sich auch der Titel „Bibeltreue Supermacht“. Die Macht resultiert nicht allein aus der schieren Größe, sondern vor allem aus dem Einfluss: Die Kirchen sind reich, in vielen Orten prägen sie das Leben der jeweiligen Gemeinde.

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