Rabbiner Homolka für Entfernung des Wittenberger Schmähreliefs: „Christlicher Antijudaismus wirkt weiter“


Reicht es, antisemitische Abbildungen mit einer Gedenktafel zu erläutern? Diese Meinung hat der Rabbiner Walter Homolka bisher geteilt. Nun spricht er sich dafür aus, die Darstellungen zu entfernen. In Wittenberg könnte das bald passieren.

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Der Rektor des Potsdamer Abraham Geiger Kollegs, Walter Homolka, spricht sich für eine Entfernung des antisemitischen mittelalterlichen Reliefs „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirche aus. „Das Gift solcher Zerrbilder ist noch wirksam“, sagte der Rabbiner der „Zeit“ (Donnerstag). Lange sei er dafür gewesen, solche Abbildungen zu erläutern, anstatt sie zu entfernen. „Mittlerweile sage ich: Das reicht nicht.“ In Richtung der Kirchen sagte Homolka: „Die Kirchen müssen erkennen: Der christliche Antijudaismus wirkt weiter.“

Der Streit um die antisemitische Schmähplastik beschäftigt nun den Bundesgerichtshof (BGH). Der jüdische Kläger legte dort Revision gegen das Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Naumburg ein. Das OLG hatte entschieden, dass das „Judensau“-Relief an der Außenfassade der Kirche hängen bleiben darf. Der Kläger fordert eine Abnahme, weil die Schmähplastik Juden antisemitisch beleidige. Ähnliche Darstellungen finden sich noch an rund 30 evangelischen und katholischen Kirchen im deutsch geprägten Kulturraum. 

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