US-Africom schaltet sich in Seenotrettung vor Libyen ein


Die Geretteten wurden nach Libyen zurückgebracht. Tödliche Schüsse auf von der libyschen Küstenwache aufgegriffene Migranten zeigen, wie riskant die „sicheren Häfen“ des nordafrikanischen Landes sind

Thomas Pany | TELEPOLIS

Die deutsche Fregatte „Hamburg“ demnächst beteiligt an der EU-Mission Irini. Bild (2013): U.S. Navy/gemeinfrei

Das US-Afrikakommando hat sich letzte Woche in die Seenotrettung von 131 Migranten vor der Küste eingeschaltet, wie jetzt bekannt wurde. In einer offiziellen Mitteilung vom gestrigen Dienstag berichtet US-Africom davon, dass eine Luftaufklärungseinheit am 21. Juli das Seenotsignal eines Schlauchbootes („inflatable vessel“) auffing und an die libysche Küstenwache wie an die Maltas weiterleitete. Das Boot verlor demzufolge an Luft, etwa 80 Kilometer nordwestlich von Misrata entfernt.

Wie Frontex habe dann am 23. Juli gemeldet, dass die libysche Küstenwache die 131 Passagiere des „Migrantenbootes“ gerettet und „in Sicherheit gebracht“ habe. „In Sicherheit bringen“ ist die Umschreibung dafür, dass die Migranten zurück an Land nach Libyen gebracht wurden, wie auch die IOM Libya (Internationale Migrantenorganisation, Abteilung Libyen) schon am Vortag bestätigt hatte.

Es gibt bekanntlich viele Berichte und Zeugenaussagen darüber, wonach die nach Libyen zurückgebrachten Migranten dort eben nicht in Sicherheit sind, sondern dort in Lagern untergebracht werden, wo sie unter harten, menschenunwürdigen Bedingungen der Willkür und Ausbeutung von Milizen ausgesetzt sind.

Drei Tote durch Schüsse auf zurückgebrachte Migranten

Ein aktueller Bericht der IOM über zwei sudanesische Migranten, die am Montagabend bei einer Schießerei getötet, und drei andere, die verletzt wurden, unterstreicht die Gefahr für Leib und Leben der Migranten in Libyen. Mittlerweile wird berichtet, dass einer der Verletzten auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb.

Ort der Schießerei war der Hafen von al-Khums im Westen des Landes – ein Auslaufhafen für Migranten („disembarkation point“), wie die IOM-Meldung verstehen lässt. Die Schießerei fand demnach statt, nachdem die Migranten im Mittelmeer aufgegriffen und von der Küstenwache zurückgebracht worden waren.

Wie die UNHCR präzisiert, gab es die Schießerei, als 70 Menschen im Hafen von al-Khums von Bord des Schiffs der libyschen Küstenwache gegangen waren. Um die genauen Umstände zu klären, fordert die UN-Hilfsorganisation nun eine Untersuchung.

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