Harte Worte von „Sea Watch“ für Horst Seehofer: „Das ist wirklich schäbig“


Auf dem Mittelmeer ist im Moment kein einziges Rettungsschiff unterwegs, und das deutsche Innenministerium untersagt dem Land Berlin Flüchtlinge aufzunehmen. Umso nötiger ist es, dass das von der EKD initiierte Rettungsschiff „Sea-Watch 4“ seine Arbeit aufnimmt.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Wie dringend wird das neue Rettungsschiff denn gebraucht?

Ruben Neugebauer (Pressesprecher der Senotrettungsorganisation „Sea-Watch“): Wir haben im Moment einen Seenotfall, der offen ist. Gestern Abend waren es schon über 60 Stunden, die diese Menschen im Prinzip ohne Hilfe auf dem Wasser getrieben sind, weil die europäischen Staaten immer häufiger die Hilfe verweigern, weil sie eben nicht retten und es dadurch eben auch immer wieder zu Toten kommt, obwohl Rettung eigentlich problemlos möglich wäre, auch von den europäischen Staaten.

Die haben die Schiffe, die haben die Möglichkeiten, eigentlich dort einzugreifen, tun das aber nicht, weil sie die Menschen lieber auf dem Meer ertrinken lassen, als dass sie europäische Küsten erreichen. Deswegen muss man eben alles selber machen. Und deswegen werden unsere Schiffe dringend gebraucht. Im Moment ist allerdings, aufgrund der vielen Schiffe, die in Italien festgesetzt worden sind, kein einziges Rettungsschiff auf dem Mittelmeer unterwegs. Deshalb wird die „Sea-Watch 4“ so dringend benötigt.

DOMRADIO.DE: Zahlreiche Schiffe sind festgesetzt worden. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat aber diese Woche nochmal deutlich gemacht: Sollte die Mission behindert werden, werden wir uns für die Crew und die geretteten Menschen einsetzen. – Wie sehr macht Ihnen diese Unterstützung Mut?

Neugebauer: Es ist super wichtig, dass wir diese breite zivilgesellschaftliche Unterstützung und die Unterstützung auch aus den Kirchen bekommen. Denn es ist ja ganz klar, dass gegen uns vorgeschobene Argumente verwendet werden, die nur dazu dienen, Rettungsschiffe aus dem Verkehr zu ziehen. Da ist es ganz wichtig, zu sagen, dass wir mehr sind und dass es in Deutschland zum Beispiel eine breite Mehrheit für die zivile Seenotrettung gibt. Die Menschen sind dagegen, dass man Menschen dort ertrinken lässt.

Deswegen ist es sehr wichtig, wenn Akteure wie die Kirche das dann auch noch mal klarstellen, den Verantwortlichen aus der Politik sagen, dass sie damit nicht durchkommen und dass diese Politik des Ertrinkenlassens ein Ende haben muss.

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