Ultraorthodoxe Juden gegen den Staat Israel


Der jüdische Antizionismus ist so alt wie der Zionismus selbst, schreibt der kanadische Historiker Yakov Rabkin. Sein Buch über eine strenggläubige jüdische Opposition fügt auch dem aktuellen Antisemitismus-Streit in Deutschland wichtige Facetten hinzu.

Carsten Hueck | Deutschlandfunk Kultur

Jüdischer Antizionismus geht auf die Treue zur Thora zurück und ist untrennbar mit dem Zionismus verbunden. (Westend Verlag)

60 Intellektuelle haben sich in dieser Woche mit einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin gewandt. Sie beklagen in Deutschland unter anderem einen „sachlich unbegründeten und gesetzlich unfundierten Gebrauch des Antisemitismus-Begriffs, der auf die Unterdrückung legitimer Kritik an der israelischen Regierungspolitik zielt“. Kritik an Israel, Kritik am Zionismus – ist das Antisemitismus? Um der Diskussion noch eine weitere Farbe hinzuzufügen, hat der kanadische Historiker Yakov M. Rabkin ein Buch geschrieben: „Im Namen der Thora. Die jüdische Opposition gegen den Zionismus“.

2004 zum ersten Mal erschienen, ist das Buch mittlerweile in 14 Sprachen übersetzt. Auf über 400 Seiten zeichnet Rabkin, selbst religiöser Jude, die Entwicklung des Zionismus aus Sicht strenggläubiger Juden nach und erklärt deren Opposition gegenüber dem Projekt eines jüdischen Staates.

Zionismus und jüdischer Antizionismus: untrennbar verbunden

Der Zionismus, der sich Ende des 19. Jahrhunderts von Russland aus unter den osteuropäischen Juden und dann auch in Westeuropa entwickelte, war eine Revolution. Naturgemäß stieß diese auf Widerstand. In Deutschland verurteilte ihn der prominente und einflussreiche Rabbiner Samson Raphael Hirsch, später Intellektuelle wie Franz Rosenzweig oder Simon Dubnow, aber auch chassidische Gemeinden Osteuropas und sephardische Juden widersetzten sich vehement den Bestrebungen, Judentum in eine nationalstaatliche Form zu bringen.

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