Rechtfertigung von Sklaverei und Gewalt: Die dunkle Seite der Philosophie


Aristoteles war Sklavenhalter. Thomas Hobbes hielt Aktien am Kolonialismus. Heidegger bekannte sich zu Hitler. Doch die Philosophie war lange blind für ihre eigene Verstrickung in Gewalt, sagt die Kulturwissenschaftlerin Iris Därmann.

Iris Därmann im Gespräch mit Simone Miller | Deutschlandfunk Kultur

Prägende Denker der Aufklärung wie John Locke, Thomas Hobbes oder Immanuel Kant hießen die Sklaverei gut und rechtfertigten sie philosophisch. (Getty Images / Gado / Smith Collection)

Die Ächtung der Sklaverei und der universelle Anspruch, dass alle Menschen von Geburt frei und gleich an Rechten sind, gelten als zentrale Errungenschaften der europäischen Philosophie der Aufklärung. Die Staaten Europas und westlich geprägte Demokratien bekennen sich bis heute dazu und begründen damit ihre Politik.

Darüber sei jedoch lange aus dem Blick geraten, dass prägende Denker der Aufklärung wie John Locke, Thomas Hobbes oder Immanuel Kant die gewaltsame Unterwerfung und Entrechtung von Menschen durch europäische Mächte gutgeheißen und philosophisch gerechtfertigt haben, erklärt die Berliner Kulturwissenschaftlerin und Philosophin Iris Därmann.

Freiheit und Gleichheit – aber nicht für alle

Locke und Hobbes etwa seien Mitglieder der Royal African Company und der Virginia Company gewesen: Handels- und Aktiengesellschaften, die aus der Versklavung und Verschleppung von Menschen aus Afrika in die sogenannte „Neue Welt“ Profit schlugen und zum Aufbau britischer Kolonien in Nordamerika beitragen sollten. Indem sie Freiheit und Gleichheit der Menschen von Natur aus propagierten, zeigten sich die beiden Philosophen als moderne Denker, auf die wir uns auch heute noch berufen könnten, so Därmann. Gleichzeitig hätten sie in anderen Schriften Konzepte der Kolonisierung entworfen und den transatlantischen Sklavenhandel für gerecht erklärt.

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