Das Bauerntum war eine Grundlage des nationalsozialistischen Staates


Ernährungspolitik war im Nationalsozialismus von Anfang an eine Aufgabe von höchster Bedeutung. Nie zuvor und nie danach war in Deutschland eine Interessenvertretung mit ähnlichen Vollmachten ausgestattet gewesen. Eine unabhängige Historikerkommission legt einen Bericht über die Vorläufer des Bundeslandwirtschaftsministeriums vor.

Ulrich Schlie | Neue Zürcher Zeitung

Am 7. Oktober 1935 spricht Adolf Hitler beim zwischen 1933 und 1937 jährlich ausgerichteten Reichserntedankfest auf dem Bückeberg. Keystone / Hulton

«Es hat mir öfters wirklich weh getan, wenn tüchtige und anständige Beamte fast ängstlich um Entschuldigung baten, wenn sie eine abweichende Meinung äusserten, was früher unter Herren Pflicht und selbstverständlich war. Man hat aus dem Beamtentum etwas ganz anderes gemacht, als es früher war, aus einer führenden Schicht eine rein ausführende.» Als Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg im Frühjahr 1943 nach nur wenigen Monaten aus seiner Position als Zentralabteilungsleiter des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft freiwillig ausschied, war er zu der Überzeugung gelangt, dass sich die Politik in Abhängigkeiten begeben hatte, die der Staatstradition und den Grundsätzen des Beamtentums zuwiderliefen.

Schulenburg, 1944 wegen seiner Beteiligung am Staatsstreichversuch vom 20. Juli 1944 hingerichtet, war die Ausnahme. Die Mehrheit der Beschäftigten im Reichsernährungsministerium war, wie er damals schrieb, innerlich gebrochen, sie «suchte ihre Ansichten nur noch durch Hintertüren durchzusetzen».

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