Das einzigartige Tier


Ist es die Biologie oder doch die Kultur? Der Anthropologe Michael Tomasello hebt die Diskussion darüber, was den Mensch zum Menschen macht, auf ein ganz neues Niveau.

Michael Hagner | Süddeutsche Zeitung

Ungefähr im Alter von sechs Jahren haben Kinder eine kognitive und moralische Identität herausgebildet. (Foto: imago images/blickwinkel)

Die immer wieder aktuellen Debatten über das Verhältnis von Mensch und Tier sind in der Geistesgeschichte oftmals mit der Frage nach deren Ähnlichkeiten und Unterschieden verknüpft worden. Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die einen kategorialen Unterschied und damit die Einzigartigkeit des Menschen postulieren. René Descartes mit seinem ontologischen Dualismus ist dafür ein berühmtes Beispiel: Während der Mensch aus Geist und Körper besteht, ist das Tier pure Materie, was sich allein schon daran zeigt, dass es nicht über Sprache verfügt.

Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die nur einen graduellen Unterschied sehen und damit den Menschen als eine Tierart unter mehreren einordnen. Für den Materialisten Julien Offray de La Mettrie beispielsweise bestand zwischen den geübtesten Menschenaffen und den ungeübtesten Menschen kaum ein Unterschied.

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