Israel: Spannungen zwischen säkularen und ultraorthodoxen Juden


Weil viele Ultraorthodoxe die israelischen Corona-Regeln nicht einhielten, machten säkulare Juden sie für die Ausbreitung der Krankheit verantwortlich. Und auch in anderen Bereichen kriselt es zwischen den Strömungen.

Tim Aßmann | BR24

In ganz Israel sind coronabedingte Beschränkungen in Kraft getreten, nachdem die Zahl der Infizierten gestiegen ist. © dpa-Bildfunk/Nir Alon

Ein kleiner Junge mit Schläfenlocken beschimpft Polizisten als Nazis. Entstanden ist die Aufnahme im April – als die Behörden die Stadt Bnei Brak vor den Toren Tel Avivs abriegelten. Bnei Brak wird überwiegend von streng-religiösen Juden bewohnt und war damals, in der ersten Pandemie-Welle, ein sogenannter Corona-Hotspot.

Ultraorthodoxe fühlen sich diskriminiert

Viele ultraorthodoxe Juden nahmen die Bedrohung lange nicht ernst und befolgten die Anordnungen der Behörden nicht. Selbst der damalige Gesundheitsminister, ein ultraorthodoxer Politiker, verstieß gegen die Maßnahmen und erkrankte selbst an Corona. Weil sie sich nicht an die Regeln hielten, wurden die streng religiösen von vielen säkularen jüdischen Israelis für die Ausbreitung der Pandemie mit verantwortlich gemacht.

Israel Eichler, Politiker der streng-religiösen Partei Vereinigtes Thora-Judentum, fühlte sich zu Unrecht verfolgt: „Wir werden gerade Zeugen einer beispiellosen Hetzkampagne gegen die ultraorthodoxe Öffentlichkeit, die angeblich zum Schutz vor dem Coronavirus, geführt wird.“ Eichler hält die Ausgangssperren für eine selektive Maßnahme, speziell für den ultraorthodoxen Sektor: „Sie machen aus der ultraorthodoxen Bevölkerung einen Boxsack.“

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