Wie zermürbt man einen Präsidenten?


Das „Lincoln Project“ setzt Donald Trump gehörig zu. Die abtrünnigen Republikaner versuchen den Präsidenten mit seinen eigenen Waffen zu schlagen

Thomas Schuster | TELEPOLIS

Screenshot aus dem Video We Will Vote des Lincoln Project

Der junge Patient, ein stolzer Republikaner, ist gerade auf der Intensivstation aus einem dreijährigen Coma aufgewacht. Er fragt: „Habe ich etwas Interessantes verpasst?“ Seine Familie, auch sie überzeugte Republikaner, versucht, ihm die Nachrichten schonend beizubringen.

Donald Trump sei noch immer Präsident. Trump unterstütze Familien, seine eigene Familie ganz besonders, die sitze im Weißen Haus. Die Mauer nach Mexiko sei wohl noch nicht ganz fertig. Wer dafür bezahlt habe, ist unklar. Im Land herrschten Rassenunruhen, weil die Polizei ständig „aus Versehen“ Schwarze töte. Es habe ein Amtsenthebungsverfahren stattgefunden, weil Trump mit den Russen gemeinsame Sache gemacht habe. Der Patient ist irritiert. „Ich dachte, wir hassen die Russen?“

„Seid Ihr alle Ärzte geworden, warum tragt Ihr alle Masken?“, fragt er konsterniert. Seine Familie erklärt ihm: 150.000 Amerikaner seien an einem Virus gestorben. Aber Trump habe wenigstens die Wirtschaft repariert. Er habe die Steuern für die Reichen enorm gesenkt. Doch leider ist Papa nun arbeitslos. Mama meint, man solle ‚mal in Mar a Lago übernachten. Das könne sich die Familie nicht leisten, meint Papa. Der Patient zieht unbemerkt den Stecker seiner Herz-Lungen-Maschine und stirbt.

Dies ist ein aktuelles Video des „Lincoln Project“, einer Gruppe von Republikanern, die erklären, sich vorgenommen zu haben, die Wiederwahl von Donald Trump zu verhindern. Regie des Videos mit dem Titel „Wake Up“ führte Hollywood-Regisseur Jon Turteltaub, von dem Filme wie „Das Vermächtnis der Tempelritter“ und „Während Du schliefst“ stammen.

Republikaner gegen Republikaner

Das „Lincoln Project“ ist ein sogenanntes Political Action Committee (PAC), eine in der amerikanischen Politik akzeptierte Form des Lobbyismus, die es ermöglicht Spenden zu sammeln, um Kandidaten für politische Ämter zu unterstützen oder zu bekämpfen. Zu den Gründern der Gruppe gehören prominente Republikaner, darunter George Conway, der Ehemann von Kellyanne Conway, einer engen Vertrauten von Donald Trump. Auf Frau Conway geht der Begriff „alternative Fakten“ zurück.

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