Kurkinder: Mit Medikamenten ruhiggestellt


Bei Kuren sollten Kinder wieder zu Kräften kommen. Doch in den 1960er-, 70er- und 80er-Jahren wurden viele von ihnen mit Medikamenten ruhiggestellt. Nach wie vor kämpfen sie um Gerechtigkeit.

Philipp Reichert, Ulrich Neumann | tagesschau.de

kinderkur. Bild tagesschau.de

Für Detlef Lichtrauter ist es einer der schwersten Tage seines Lebens. Jahrelang hat er darauf gewartet, an diesen Ort zurückzukehren. Zum ehemaligen Haus Bernward im Bonner Stadtteil Oberkassel. Eine idyllische Villa mit großem Park, direkt am Rhein gelegen. Einst ein Kinderkurheim.

Nur wenige Meter hinter dem großen weißen Tor bleibt Lichtrauter ungläubig stehen. Schon der Anblick des Hauses verschlägt ihm die Sprache. Denn sofort sind sie wieder da, die Erinnerungen an seine sechswöchige Kur. Erinnerungen an das Verbot zu trinken, an Gewalt durch die Mitarbeiter, an Einschüchterungen. „Als wir ankamen, ging es direkt in diesem typischen Befehlston los“, erzählt er. „Hinsetzen, runtergehen, Mund halten.“

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