Die Verschwörungsepidemie


Ausländer, Gott, Milliardäre, Satanisten – im Internet kursieren zig Theorien, wer schuld am Coronavirus ist. Innenminister Herrmann warnt davor, dass das Vertrauen in den Rechtsstaat schwindet.

Johann Osel | Süddeutsche Zeitung

Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen, wie hier im Juni in München oder zuletzt in Berlin, versuchen Rechtsextremisten zu kapern. (Foto: Sebastian Gabriel)

Die Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen dient Extremisten jeder Couleur als „Nährboden“ zur Verbreitung ihrer demokratiefeindlichen Ideologien. Vor dieser Gefahr warnten Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Verfassungsschutzchef Burkhard Körner am Dienstag bei der Vorstellung einer Halbjahresbilanz 2020 des Landesamtes. „Selbst die absurdesten Verschwörungsmythen haben momentan regelrecht Hochkonjunktur“, sagte Herrmann, „sie entbehren jeder Faktenbasis, sind aber geeignet, größere Bevölkerungskreise mit einer grundlegenden Unzufriedenheit mit dem Rechtsstaat zu infizieren.“

Rechtsextremisten, sogenannte Reichsbürger, aber auch linksradikale Agitatoren oder Islamisten knüpften meist an im Netz kursierende Theorien zum Ursprung der Pandemie an. Ziel sei es, Leute für verfassungsfeindliche Bestrebungen zu gewinnen, die in normalen Zeiten nicht anfällig für extremistisches Gedankengut wären. Die davon ausgehende Gefahr für den Rechtsstaat sei nicht zu unterschätzen, betonte der Minister, zumal Corona „uns die Verletzlichkeit unseres gesellschaftlichen Lebens vor Augen geführt“ habe.

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