Flucht durch den Darm


Normalerweise bedeutet das Gefressenwerden den Tod für ein Beutetier – nicht so bei einem in Japan heimischen Wasserkäfer. Denn wenn der Käfer Regimbartia attenuata von einem Frosch verschluckt wird, bleibt er am Leben. Weder Verdauungssäfte noch andere Prozesse im Körperinneren des Frosches scheinen ihm zu schaden. Und nicht nur das: Der Käfer krabbelt durch den Darmtrakt des Frosches hindurch bis zu dessen After und tritt dort rund sechs Stunden nach dem Gefressenwerden wieder aus, wie Wissenschaftler beobachtet haben. Scheinbar unbeeindruckt von seiner Passage durch den Frosch krabbelt der Wasserkäfer von dannen.

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Der Wasserkäfer Regimbartia attenuate, der Frosch Pelophylax nigromaculatus und der Austritt des Käfers aus dem Froschafter. (Bild: Kobe University)

Von einigen Pflanzensamen und Parasiten ist bereits bekannt, dass sie die Darmpassage durch ein Tier überleben. In der Regel jedoch bedeutet es für ein Tier den sicheren Tod, wenn es von einem Fressfeind verschlungen wird. Zum einen fügen ihnen schon die Zähne und Kiefer des Räubers oft tödliche Verletzungen zu. Sollten sie dies überstehen – weil beispielsweise einige Vögel oder Frösche ihre Beute mangels Zähnen im Ganzen verschlingen – wartet der Verdauungstrakt mit lebensfeindlichen Bedingungen auf sie. „Das Verdauungssystem des Prädators tötet nahezu jede Beute nach dem Verschlucken“, erklärt Shinji Sugiura von der Universität Kobe. Denn ätzende Verdauungssäfte, zersetzende Enzyme und Sauerstoffmangel machen ein längeres Überleben fast unmöglich.

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