Die Organisationsstruktur hinter den „Hygiene-Demos“


Dass die Demonstration gegen die Corona-Politik so viel Zulauf bekommen hat, hat mit der Professionalisierung der Organisatoren, gezielter Werbung, einem Bündnis mit einem Busunternehmerverband und dem AfD-„Flügel“ zu tun.

Rüdiger Soldt | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Teilnehmer der Demonstration am Samstag in Berlin Bild: EPA

Vor wenigen Wochen wirkte es noch so, als lösten sich die „Hygiene-Demos“ gegen die Pandemie-Politik langsam auf. 250 Leute nahmen Mitte Juli an einer Veranstaltung des Gründers und IT-Unternehmers Michael Ballweg teil. Im Mai hatte eine bunte Mischung aus Impfgegnern, Esoterikern, Anthroposophen, Veganern sowie wenigen Links- und Rechtsextremisten in Stuttgart zu Tausenden von sich reden gemacht.

Als maßgeblicher Organisator konnte Ballweg nun offenbar viele von ihnen bei einer Demonstration in Berlin am Wochenende mobilisieren, rund 20.000 sollen daran teilgenommen haben. Manche Redner verglichen den Aufmarsch zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule sogar mit der Love Parade. Möglich wurde das erst durch eine zwischenzeitliche „logistische Kooperation“ mit „#honk for hope“, einer Bewegung zur „Rettung des Busreisegewerbes“ in Deutschland. Die ist inzwischen Geschichte. „Weil sich die Fahrgäste zur Berliner Demonstration nicht an die Hygiene-Vorschriften für den Busverkehr halten wollten und weil wohl etwa 2500 Menschen in Bussen nach Berlin gefahren sind, habe ich mich frühzeitig von dieser Kooperation distanziert. Ein anderer Grund war, dass sich auch so genannte Reichsbürger angemeldet hatten, das wollte ich nicht mittragen“, sagt Joachim Jumpertz, der die Plattform www.matchbus.tours zur Koordinierung der Fahrten angeboten hatte.

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