20-50 % der Bevölkerung haben eine Teilimmunität gegenüber Covid-19

coronavirus sars-cov-2

Eine Studie, an der Drosten mitgewirkt hat, wurde bereits im April eingereicht, ihre für die Einschätzung der Pandemie und die politischen Entscheidungen relevanten Ergebnisse wurden aber jetzt erst veröffentlicht

Achim Schaper | TELEPOLIS

Haben Wissenschaftler Forschungsergebnisse zurückgehalten, um einen persönlichen, beruflichen Vorteil daraus zu ziehen? Diese Vermutung liegt nahe, wenn man sich einen zur Veröffentlichung anstehenden Artikel für die Zeitschrift „Nature“ ansieht. Darin beschreiben Berliner Wissenschaftler um die Forscher Thiel und Drosten eine in der Bevölkerung vorhandene Kreuzreaktivität gegenüber dem „neuartigen“ Coronavirus Subtyp Sars-CoV-2. Bei einem Drittel der Bevölkerung liege diese Kreuzreaktivität vor.

The presence of S-cross-reactive T cells in a sizable fraction of the general population may affect the dynamics of the current pandemic, and has important implications for the design and analysis of upcoming COVID-19 vaccine trials.

Schlussfolgerung der Autoren der Studie

Das Manuskript wurde am 9.4.2020 zur Begutachtung eingereicht und nach einem beschleunigten Begutachtungsverfahren am 22.07.2020 zur Veröffentlichung angenommen. Der Preview „SARS-CoV-2-reactive T cells in healthy donors and patients with COVID-19“ steht seit dem 29.07.2020 im Internet zum Download zur Verfügung. Geht man weiter davon aus, dass die Erstellung des Manuskripts bei der hohen Anzahl an Autoren (sprich mehr als 60 helfende Hände) ca. 2 Wochen beansprucht hat, sind die Studienergebnisse substantiell bis etwa Ende März aufgelaufen.

Es liegt also die Vermutung nahe, dass erste Ergebnisse seit Anfang März zusammengetragen wurden, die die Hypothese unterstützen, dass sich der neuartige Corona-Subtyp ohne besondere Auffälligkeiten serologisch in die Reihe seiner bekannten Vorgänger einordnen lässt. Dieses Ergebnis muss dem Regierungsberater Drosten also bereits rudimentär vorgelegen haben, als er der Bundesregierung den Lockdown für die Eindämmung der Corona-Epidemie bzw. -Pandemieempfohlen hat.

Trotz der eminenten gesamtgesellschaftlichen Bedeutung für die Einschätzung der epidemischen Gefährdungslage durch Sars-CoV-2 haben es die Autoren vorgezogen, den üblichen langwierigen Weg der Verbreitung wissenschaftlicher Ergebnisse zu gehen.

Die Ergebnisse der Untersuchung unter Federführung der Berliner Charité werden nun auch noch durch eine weitere Forschergruppe aus den USA bestätigt. Die Studie Selective and cross-reactive SARS-CoV-2 T cell epitopes in unexposed humans wurde im August 2020 im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht.

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