Althistoriker über antike und moderne Völkerwanderungen: „Religion ist ein wichtiger Faktor gewesen“

Bild von kalhh auf Pixabay

Im Gespräch erläutert der Tübinger Althistoriker, warum er den Begriff „Völkerwanderung“ für problematisch hält. Und warum sich angesichts von Katastrophen und Umwälzungen von der Antike bis in die Moderne Endzeitstimmung breit macht.

DOMRADIO.DE

KNA: Herr Professor Meier, ihr US-amerikanischer Kollege Kyle Harper führt den Untergang des Römischen Reichs unter anderem auf Wetterkapriolen und die Verbreitung von Seuchen zurück. Was halten Sie davon?

Mischa Meier (Althistoriker, Professor für Alte Geschichte an der Universität Tübingen): Es gab eine ganze Reihe von Faktoren, die hierfür eine Rolle gespielt haben. Aber man muss da schon etwas genauer hinschauen.

KNA: Mitte des 6. Jahrhunderts war es so kalt wie nie in den zurückliegenden 2000 Jahren; die justinianische Pest 541 ist einer der ersten belegbaren Ausbrüche der Seuche gewesen.

Meier: Umwelteinflüsse und die Krankheiten beschäftigen uns aufgrund der aktuelle Geschehnisse in besonderem Maße. Insofern entspricht der Ansatz von Harper in gewisser Weise dem Zeitgeist.

weiterlesen