Weshalb die Hoffnungen vieler Libanesen auf Frankreich ruhen


Obwohl die Franzosen Libanon einst wie eine Kolonie regierten, ist an der ehemaligen Mandatsmacht nicht das Image der Besatzer hängen geblieben. Inzwischen sind es nicht nur Christen, die Frankreich als Orientierungspunkt sehen.

Nina Belz | Neue Zürcher Zeitung

Macron besuchte knapp zwei Tage nach der Explosion als erster ausländischer Politiker die zerstörten Viertel von Beirut und fand danach deutliche Worte an die Adresse der politisch Verantwortlichen. Thibault Camus / AP

Zwischen den beiden Szenen in Beirut liegen fast 37 Jahre, doch sie sind sich verblüffend ähnlich: Umgeben von Leibwächtern, Journalisten und Helfern suchte sich der französische Präsident Emmanuel Macron mit hochgekrempelten Hemdsärmeln am Donnerstag einen Weg durch die Strassen der libanesischen Hauptstadt, die zwei Tage zuvor von einer gewaltigen Explosion verwüstet worden war. François Mitterrand liess seinen Sakko an, als er im Oktober 1983, mitten im Bürgerkrieg, Beirut besuchte, das am Vorabend von zwei Anschlägen auf die internationalen Truppen erschüttert worden war, die 299 französischen und amerikanischen Soldaten das Leben kosteten.

Wie Macron war auch Mitterrand der erste ausländische Staatschef, der das Land in diesen schwierigen Stunden besuchte. Mitterrand war zudem der erste französische Präsident überhaupt gewesen, der das frühere französische Mandatsgebiet in der Levante besuchte. Sein Nachfolger Macron dagegen bewegt sich bereits in guter Tradition: Seit Jacques Chirac, der mit der Familie des 2005 ermordeten ehemaligen Regierungschefs Rafik Hariri gut befreundet war, haben alle französischen Staatschefs das kleine Land im Nahen Osten besucht.

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