Gen-Studie zu Uiguren zurückgezogen


In China werden zunehmend genetische Daten von Minderheiten erhoben – und womöglich gegen sie verwendet. Jetzt wurde eine Arbeit wegen ethischer Bedenken gelöscht.

Christina Berndt | Süddeutsche Zeitung

Genetische Daten sind mehr als nur Daten. Sie können Auskunft geben über intime Eigenschaften, und mitunter werden sie sogar gegen die Menschen verwendet, von denen sie erhoben wurden. Manche Wissenschaftler betrachten deshalb mit Sorge, was gerade in Chinas Genforschung geschieht. Dort haben sich Wissenschaftler darauf spezialisiert, Gen-Daten zu forensischen Zwecken zu erheben. Sie sollen gemeinsam mit der Überwachung von Bewegungsdaten und der verbreiteten Gesichtserkennung im öffentlichen Raum angeblich der Verbrechensbekämpfung dienen. Besonders im Fokus stehen genetische Besonderheiten von Tibetern oder muslimischen Minderheiten wie Uiguren, Kasachen und Hui. „Für diese Völker ist die Erhebung der Daten in einem Regime wie China sehr gefährlich“, sagt der Genetiker Yves Moreau von der Katholischen Universität im belgischen Leuven.

Moreau versucht seit langem, Wissenschaft und Politik auf diese Problematik aufmerksam zu machen – und nun trägt seine Arbeit Früchte. In der vergangenen Woche haben chinesische Forscher ein Paper zur genetischen Analyse von Uiguren, Kasachen und Hui zurückgezogen, das im vergangenen Jahr im International Journal of Legal Medicine erschienen war. Die Retraction erfolgte auf Druck des Verlags Springer Nature – und zwar „nachdem Bedenken zur ethischen Abnahme aufgekommen waren“, wie der Verlag erklärt. Auf Nachfrage teilte Springer Nature der Plattform Retraction Watch mit, der Hauptautor Yi Ye habe eingeräumt, dass die Studie anders als zunächst behauptet kein Ethikkomitee durchlaufen habe.

weiterlesen