Wiedergutmachtung für Gräueltaten: Namibia lehnt deutsches Angebot ab

Überlebende Herero nach der Flucht durch die Wüste (ca. 1907)

Die Aufarbeitung der deutschen Kolonialzeit in Namibia ist weiter offen: Das Angebot der Bundesregierung, zehn Millionen Euro als finanzielle Wiedergutmachung zu zahlen, sei „nicht akzeptabel“, wird Namibias Präsident Hage Geingob zitiert.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Vor dem Abmarsch in den Kampf gegen die aufständischen Hereros in Deutsch-Südwestafrika wird die 2. Marine-Feldkompanie eingesegnet. (Archivfoto von 1904). Bild: dpa

Die namibische Regierung hat ein deutsches Angebot einer Wiedergutmachung für die Gräueltaten während der Kolonialzeit abgelehnt. Die Vorschläge der Bundesregierung seien nicht akzeptabel, erklärte die Regierung von Präsident Hage Geingob in einem Statement auf Facebook am Dienstagabend. Deutschland und Namibia verhandeln seit 2015 über finanzielle Zahlungen und eine Entschuldigung für die Verbrechen an den Volksgruppen der Herero und Nama im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika.

Namibischen Medienberichten zufolge erklärte sich die Bundesregierung bereit, zehn Millionen Euro an Namibia zu zahlen und eine vorbehaltlose Entschuldigung auszusprechen. Präsident Geingob hatte Anfang Juni bereits angekündigt, ein solches Angebot abzulehnen. Nach einer weiteren Verhandlungsrunde habe er am Dienstag den namibischen Verhandlungsführer Zed Ngavirue beauftragt, über ein neues Angebot zu verhandeln, heißt es in der Erklärung der Regierung.

Streitpunkt ist neben der Höhe der Wiedergutmachung auch deren Bezeichnung. Die Bundesregierung lehnt den Begriff Reparationen ab und spricht stattdessen von der Aufgabe, „Wunden zu heilen“. Ngavirue bezeichnet diesen Ausdruck als unangemessen.

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