Religionssoziologe über Wege aus der Austrittswelle: „Schnupperabo“ auf katholisch?


Die evangelische Kirche debattiert ermäßigte Kirchensteuern für junge Leute. Eine Überlegung wäre das auch für Katholiken wert, findet Religionssoziologe Detlef Pollack. Um die Austrittswelle zu stoppen, müsse man aber andere Wege gehen.

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DOMRADIO.DE: Glauben Sie, dass die jungen Menschen sich aktiv gegen einen Austritt entscheiden, wenn die Kirchensteuer bei ihnen wegfällt oder niedriger ist?

Prof. Dr. Detlef Pollack (Religionssoziologe): Das ist nicht sehr wahrscheinlich. Aber die Überlegung, dass man etwas tun muss, um die 18 bis 30-Jährigen an die Kirche zu binden, weil bei denen die Austrittswahrscheinlichkeit am höchsten ist, die ist richtig. Nicht die Kirchensteuer ist der entscheidende Austrittsgrund, sondern, dass man mit der Kirche nicht so viel anfangen kann, dass einem die Kirche gleichgültig geworden ist. Dass auch der Glaube einem nicht so viel sagt. Das ist entscheidender.

Wenn die Menschen austreten, dann ist die Kirchensteuer meistens nur nachgeordnet als Motiv oder ist manchmal sogar ein vorgeschobenes Motiv. “Ja, ich trete aus, weil die Kirchensteuer mir zu hoch ist.“ Das kann man gut kommunizieren. Über Glaubensfragen sprechen, über die innere existenzielle Befindlichkeit, wenn es um die Kirche geht, das ist schwieriger.

DOMRADIO.DE: Machen wir es doch noch mal konkret. Wieso treten in gerade in diesem Alter so viele Menschen aus der Kirche aus? Wo sehen Sie da genau die Gründe?

Pollack: Das hängt damit zusammen, dass man sich aus der Herkunftsfamilie herauslöst, dass man einen eigenen Weg finden muss. Beruf ergreifen, die Ausbildung steht an. Die Gründung einer Familie. Eine eigene Familie hat man in diesem Alter zwischen 20 und 30 Jahren oft noch nicht gegründet. Die Familie ist eigentlich die wichtigste Vermittlungsinstanz zwischen dem Individuum und der Kirche. Genau in dieser Zeit, wo sowohl die Herkunftsfamilie als auch die eigene Familie nicht diese zentrale Rolle spielt, da treten die Menschen vermehrt aus der Kirche aus.

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