Wenn der Arzt zur Marke wird

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Das deutsche Gesundheitswesen ist seit geraumer Zeit im Umbruch. Was sich als mehr Effizenz über Digitalisierung abzeichnet, verändert das persönliche Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten

Christoph Jehle | TELEPOLIS

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Aus den 1980er Jahren: „Doctor sitting at his office desk.“ Bild: National Cancer Institute/unsplash

Die klassische Landarztpraxis, die oft über Generationen bestanden hat, ist mangels ausgebildetem Nachwuchs eine aussterbende Spezies. Daher wird die medizinische Versorgung auf dem Land zusehends ausgedünnt und im ersten Schritt auf die Mittelzentren konzentriert, um dann sukzessive weiter konzentriert zu werden.

Kleine Krankenhäuser sollten aufgelöst werden, weil sie sich oft weder die speziellen Gerätschaften leisten können, noch ausreichend Praxis erarbeiten können. Im Zusammenhang mit Corona hatte man diese Entwicklung dieses Jahr nicht mehr offensiv weitergeführt und ist damit letztlich besser gefahren als Norditalien, wo die Professionalisierung und die damit verbundene Ausdünnung der medizinischen Versorgung schon deutlich weiter fortgeschritten war.

Es ist jedoch keinesfalls damit zu rechnen, dass die betriebswirtschaftliche Optimierung des Gesundheitswesens in Deutschland in Kürze aufgegeben wird.

Ein Blick in die Schweiz

In Deutschland verordnet der Arzt traditionell ein Medikament nur und stellt das entsprechende Rezept aus, mit dem der Patient dann zur Apotheke seiner Wahl geht, um das verordnete Medikament zu kaufen oder es, falls es nicht vorrätig ist, jedoch grundsätzlich lieferbar, dort bestellt. Die Auslieferung des Pharmagroßhandels an die Apotheken erfolgt üblicherweise mehrmals täglich.

Der Apotheker hat grundsätzlich, im Gegensatz zum Arzt, auch den Überblick, für welches Medikament es einen aktuellen Rabattvertrag mit der jeweiligen Krankenkasse gibt. Letztlich verordnet der Arzt somit nur den Wirkstoff und handelt nicht mit ihm. Dass es Anreizprogramme gibt, die Ärzte zu Verordnung eines bestimmten Medikamentes führen sollen, ist dabei nicht von der Hand zu weisen.

In der Schweiz sind die Ärzte jedoch direkt Teil der Medikamentendistribution. Man nennt diese dort „selbst dispensierende Ärzte“. Das ist eine grundsätzlich andere Tradition, hat jedoch inzwischen auch Einfluss auf den deutschen Gesundheitsmarkt. Die Ursprünge der Schweizer Zur Rose Group gehen auf die 1993 gemeinsam mit Ärzten gegründete Grossistin für selbstdispensierende ostschweizer Ärzte zurück. Inzwischen hat sich die Zur Rose Group AG in Mittel- und Westeuropa ausgebreitet.

In Deutschland gehört seit 2012 die auch im politischen Umfeld gut vernetzte Versandapotheke DocMorris zur Zur Rose Group. Die unterschiedlichen Gesundheitssysteme in Europa bietet die Möglichkeit, je nach politischen Rahmenbedingungen unterschiedliche Geschäftsmodelle zu entwickeln und diese in der Folge durch intensive Lobbytätigkeit in anderen Märkten politisch zu etablieren.

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