Rassismus-Vorfall beim FC Bayern:Es mangelt an Problembewusstsein


Der FC Bayern muss dringend klären, wie tief rassistische Haltungen im Jugendbereich verankert sind. Gerade dort sind die Abhängigkeiten groß – es droht ein Klima der Angst.

Thomas Hummel | Süddeutsche Zeitung

Das Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern im Norden Münchens. (Foto: imago images/Ulmer)

Der Hochglanz-Fußball verkauft seiner Klientel gerne, er zeige Rassismus die rote Karte. Kapitäne lesen vor Spielen Floskeln vom Blatt ab, Werbefilme mit Stars werden gedreht. Für eine Branche, die weltweit Millionen einsammeln will von Fans und Sponsoren, ist Rassismus ein heikles Thema. Deshalb hat der FC Bayern nun ein Problem. Ausgerechnet der Global Player hat einen Rassismus-Fall im Haus. Dass dieser im Jugendzentrum spielt und offenbar über Jahre geduldet wurde, macht es noch schlimmer.

Wenn Eltern ihre Kinder und Jugendlichen in die Obhut eines Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) geben, müssen sie sich darauf verlassen können, dass man ihnen dort nicht nur Fußball beibringt. Viele wohnen auf dem Klubgelände, trainieren fast täglich, verbringen den Großteil ihrer Zeit unter der Obhut des Klubs. Dabei bilden Spieler mit Migrationshintergrund oft die halbe Mannschaft oder mehr. Wenn nun ein langjähriger Jugendtrainer des FC Bayern in einer Chat-Gruppe mit teilweise mehr als 20 Mitarbeitern Ausdrücke wie „drecks Türke“, „Neger“, „Kanake“ und „Kameltreiber“ benutzen darf, führt das zu der Annahme, dass auf dem Campus etwas gewaltig schiefläuft.

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