Al-Golani: Idlibs Chef-Terrorist unbehelligt auf PR-Tour


Syrien: Realistische Lageeinschätzungen raten der US-Regierung zum Aufbau eines Verhandlungskanals mit der syrischen Regierung

Thomas Pany | TELEPOLIS

Al-Golani, Anführer der Miliz Hayat Tahrir al-Sham, Screenshot Interview, Twitter/Amjad Media

Die große Explosion in Beirut und die Versuche, im Libanon eine „neue Ordnung“ zu schaffen, ziehen gerade die meiste Aufmerksamkeit in der Berichterstattung über den Nahen Osten auf sich. Das Unterfangen hat einen hohen Schwierigkeitsgrad angesichts der seit Jahrzehnten eingewachsenen Verhältnisse, in denen Warlords eine große Rolle spielen, es 18 Religionsgemeinschaften gibt, die sich Macht und Pfründe aufteilen, und allgegenwärtige Korruption. Dazu kommen die vielen Einflusswettbewerber von außen. Die USA wollen es nach Informationen des Wall Street Journals wieder einmal über Sanktionen versuchen, um die Hisbollah und Iran zu schwächen.

Der „Mann des Volkes“

Indessen ist das syrische Idlib gerade kein Brennpunkt mehr für die Medien. Für Al-Golani, Chef der dort herrschenden Miliz Hayat Tahrir asch-Scham, die aus der al-Nusra-Front hervorging, der früher mit dem IS, danach mit al-Qaida verbunden war, sind es gute Zeiten.

Für ihn entstehen aus der relativen Ruhe in Idlib offenbar viele gute Gelegenheiten, an seinem Image zu arbeiten, wie al-Monitor berichtet. Er zeigt sich als „Mann des Volkes“, mischt sich auf öffentlichen Plätzen unter die Leute, lässt sich als legerer, kinder- und bevölkerungsfreundlicher Typ ablichten und macht auf präsidentiell, wie es Beobachter beschreiben.

Die offiziellen HTS-Medien zeichnen das Bild von al-Golani als Führer auf Fotos und in Videos seiner Touren. Das ist etwas Neues. Er will näher an die Gemeinschaft und den hasserfüllten Blick auf die HTS, deren Sicherheitsapparat und den Führer verändern.

Al-Monitor

Die gerade zitierte Aussage im al-Monitor-Bericht stammt von einem „Aktivisten“ einer gegnerischen, höchstwahrscheinlich islamistischen Miliz. Ihr werden noch einige andere hinzugefügt, die den Tenor ergeben, dass der HTS-Führer gerade dabei ist, das Bild der extremistischen HTS-Miliz, die international als Terrororganisation eingestuft ist, mit ihrer brachialen, archaischen Scharia-Auslegung, zu korrigieren. Al-Golani zeige sich offen gegenüber allen Parteien als verlässlicher Garant einer stabilen Ordnung und als „Sohn Syriens“ und eben nicht als Terrorist.

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