Die QAnon-Verschwörungstheorie auf dem Sprung in den Kongress der USA


In Georgia hat eine Republikanerin die Vorwahl gewonnen, die sich offen zu einer hirnrissigen Bewegung bekannte. Präsident Trump stellte sicher, dass sie im Fall des wahrscheinlichen Wahlsiegs von ihrer Partei mit offenen Armen aufgenommen wird.

Peter Winkler | Neue Zürcher Zeitung

Bei einer Wahlkampfveranstaltung von Präsident Trump in Ohio gibt sich ein Teilnehmer mit dem Buchstaben Q offen als Anhänger der extremistischen QAnon-Bewegung zu erkennen. Brian Cahn / Imago

Tief im Innern von Staat und Gesellschaft ist global eine verdeckte Kabale der Eliten aus Politik, Wirtschaft und Medien am Werk. Sie hängen dem Satanismus an, missbrauchen Kinder und verzehren diese sogar in rituellem Kannibalismus, um mit einer Art Frischzellentherapie ihr eigenes Leben zu verlängern. Präsident Donald Trump ist der weisse Ritter, der dieser Verschwörung entgegentritt und sie, in nicht allzu weiter Ferne, in einer Art von Jüngstem Gericht zerschlagen wird. So ungefähr lautet die Botschaft einer wachsenden Gruppe von Verschwörungstheoretikern, die unter dem Siegel von QAnon oder oft nur mit einem «Q» auf sich aufmerksam machen.

Endlosschleife von Behauptungen

Man sieht diese Aktivisten an rechtsextremen Aufmärschen, aber auch an Wahlveranstaltungen von Präsident Trump oder in ganz unverdächtigen Menschenansammlungen. Geistig gefüttert werden sie von einem angeblichen hochgestellten Insider des Machtapparats. Die Person soll eine besonders hohe Zugangsberechtigung zu Staatsgeheimnissen haben (Q clearance) und streut anonym für ihre Gefolgschaft wegweisende Botschaften aus wie Hänsel und Gretel mit den Brotkrümeln. Die unbekannte Person ist QAnon, und sie kündigt in sibyllinischen Internetbotschaften grosse Ereignisse an, die allerdings nie eintrafen. Doch das bestärkt die Anhänger nur in der Überzeugung, dass «Q» raffiniert seine Spuren verwischt: eine Endlosschleife von Behauptungen, deren Gegenteil nie bewiesen werden kann.

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