Gott darf keinen Körper haben


Die Kabarettistin und Autorin Lisa Eckhart hält die Feuilletons in Atem. Die Künstlerin provoziert den etablierten Kulturbetrieb. Eine Ausladung von einem Festival war die Folge. In ihrem Roman „Omama“ spielen auch religiöse Motive eine Rolle.

Ute Cohen | Die Tagespost

Bei einem Literaturfestival in Hamburg wurde die österreichische Kabarettistin und Autorin Lisa Eckhart aus Sicherheitsgründen ausgeladen. Foto: Andrä© Havergo via http://www.imago-images.de (www.imago-images.de)

Bei einem Literaturfestival in Hamburg wurde die österreichische Kabarettistin und Autorin Lisa Eckhart aus Sicherheitsgründen ausgeladen. Inzwischen hat sie auf die Teilnahme verzichtet. Sie hätte dort aus ihrem Debütroman „Omama“ (Zsolnay Verlag) lesen sollen, der am 17. August erscheint. Religiöse Motive spielen in dem Roman eine Rolle – auch im wahren Leben beschäftigen die Künstlerin, die mit ihren Auftritten und Programmen zurzeit die Feuilletons in Atem hält, metaphysische Fragen sehr.

Himmeljesusmaria, Kruzitirkn noch amoi! – In Ihrem Roman „Omama“ wird heftig geflucht. Schimpfen und Fluchen sind oft religiös geprägt. Wie ist das bei Ihnen, Frau Eckhart, fluchen Sie atheistisch oder religiös?

Religiös. Was auch immer wieder für Verstörung sorgt, wenn man ein „bei Gott“ in seine Sätze einstreut. Das war bereits in meiner Kindheit so, obwohl der Kontext ein atheistischer war. „Kruzifix“ und „Sakrament“ waren omnipräsente, wenngleich völlig sinnentleerte Floskeln. Wahrscheinlich muss das so sein, denn der echte Katholik – da weiß ich gar nicht, ob es sich ziemt, so zu fluchen. Für mich ist diese Art zu fluchen auch eine kleine Hommage.

Sie selbst sind nicht katholisch aufgewachsen?

Ich habe im Kindergarten aufgeschnappt, dass es sowas wie Beten gibt und wollte das praktizieren, worauf mein Großvater sagte: „Damit fangen wir erst gar nicht an.“

Ihr Großvater war nicht religiös?

(schüttelt den Kopf) Wir waren natürlich nominell katholisch und in der Kirche, aber es war doch sehr weltlich bei uns, nicht intellektuell oder akademisch atheistisch, sondern proletarisch atheistisch. Im Sinne von: „Der ist uns bis jetzt nicht zu Hilfe gekommen, also beten wir auch nicht.“ Wahrscheinlich empfand man es bizarrerweise so, dass der Glaube etwas für die feineren Leute sei: Wir arbeiten und die Anderen glauben. Das habe ich als sehr speziell empfunden, denn im Dorf waren die Leute schon sehr gläubig und sind in die Kirche gegangen. Wir nicht. Ich hatte daher auch nichts, wogegen ich hätte rebellieren können. Ich musste mir das erst nachher ansehen, mir hatte man das in der Kindheit immer verwehrt. Es wurde verboten, zu beten. Dadurch hat das bei mir aber wieder etwas Positives bekommen, mir erschien es subversiv.

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