Lisa Eckhart: Die Hetzjagd geht weiter …


Die österreichische Kabarettistin Lisa Eckhart sollte im Rahmen eines Literaturwettbewerbes in Hamburg ihr Buch „Omama“ vorstellen. Dann kam es ganz anders. „Der Schwarze Block“ verkündete Bedrohliches, die Veranstalter beugten sich der rohen und unermesslichen Gewalt und im Orchestergraben rieben sich einige die Hände.

Wolf Wetzel | TELEPOLIS

Lisa Eckhart. Bild: Franziska Schrödinger/CC BY-2.0

Die Wiederauferstehung des Schwarzen Blocks

Wer kennt ihn noch? Wer ist ihm begegnet? Wer hat Angst vor dem schwarzen XXX?

Der Schwarze Block war bereits in den 1980er Jahren ganz viel Erfindung, noch mehr medialer Selbstläufer und ganz wenig Realität. Mit dem „Schwarzen Block“ wollte man medial und strafrechtlich etwas zu fassen kriegen, was selbst den Autonomen damals nicht gelang: Eine halbwegs geschlossene Programmatik, ein gemeinsames Selbstverständnis. „Der Schwarze Block“ sollte also dem Publikum eine einfache, einfarbige Antwort auf das Phänomen „Autonome“ bieten.

Der „Schwarze Block“ war also vor allem ein Medien- und Demonstrationsphänomen … und manchmal spielten Schwarzmaskierte mit diesem Label und ließen ganz viele „Schwarze Blöcke“ aufmarschieren, die sich ihres gefährlichen Images und der geschürten Erwartungen annahmen, und versprachen, die Stadt, das Land, auf jeden Fall Deutschland in Schutt und Asche zu legen. „Feuer und Flamme für diesen Staat …“

Die Wirklichkeit war um ein Vielfaches bescheidener: Um sich vor Überwachungen, Identifizierung und Erfassung zu schützen, vermummten sich Autonome auf Demonstrationen. Und wenn das ganz viele machen, dann entsteht dadurch ein „Schwarzer Block“. Das ist verdammt lange her … und nun taucht er wieder auf. Oh Schreck, oh Glück.

Dass es den „Schwarzen Block“ als Organisation nie gab, ist jetzt ideal. Man lässt ihn auferstehen und Angst einflößen und hat so eine Begründung für eine Absage. Nachdem die Veranstalter erwartungsgemäß reagierten und der Drohung nachgaben und die Buchautorin Lisa Eckhart ausluden, trauerten Rechte und Linke gemeinsam: Es sei eine Schande, der Gewalt zu weichen, sich den Gewaltandrohungen zu unterwerfen. (Als würden sie beides nicht sehr häufig machen – ohne Schwarzen Block … böser Gedanke).

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