Nick Cave über Cancel Culture: „Cancel Culture ist zur schlechten Religion geworden“


Der australische Musiker Nick Cave hat eine neue Ausgabe seines Newsletters veröffentlicht. Darin beschwert er sich über politische Korrektheit, die jede Kreativität zerstöre.

Tomasz Kurianowicz | Berliner Zeitung

Nick Cave bei einem Konzert in Gdynia (Polen).Foto: epa/dpa/Adam Warzawa

Gibt es sie also oder nicht, die sogenannte Cancel Culture? Der Begriff ist schwammig und kann sich auf alles Mögliche beziehen: die Absage von Veranstaltungen, eine Abo-Kündigung, das Löschen eines Songs aus einem Streaming-Dienst, die Absetzung eines Professors und noch viel mehr. Insofern wirkt es immer ein wenig vage, wenn allgemein über das Phänomen diskutiert wird, ohne das genaue Gesprächsfeld zu umreißen. Strukturell ist es zumindest etwas anderes, wenn ein Staatspräsident sein Volk cancelt, indem er unbescholtene Bürger ins Gefängnis sperrt, oder eine Studierende einen Woody-Allen-Film, weil der Regisseure Minderjährige missbraucht haben soll.

Schon deshalb kann es nur zu Irritationen führen, wenn eine Pop-Größe wie Nick Cave ganz allgemein über das Phänomen Cancel Culture philosophiert, ohne auf einen konkreten Fall einzugehen. Zu einer solch freien Assoziationskette ist es vor ein paar Tagen gekommen, als Nick Cave die neueste Ausgabe seines berühmten Newsletters veröffentlicht hat. Darin stellt er sich regelmäßig den Fragen seiner Fans und traut sich zu, auch über sensible Themen nachzudenken – wie etwa den Tod seines Sohnes – oder über Weltpolitisches wie die Covid-19-Pandemie. Man wird es leicht erraten können, welchem Thema die vergangene Ausgabe gewidmet war. Richtig, der Cancel Culture.

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