USA und Israel:„Abraham-Vereinbarung“ ist kein großer Wurf


Es galt als kleine Sensation, als Mitte Juni in einer israelischen Zeitung der Gastbeitrag eines hochrangigen arabischen Diplomaten aus einem Golfstaat erschien. So etwas war zuvor nie da, dass derart unverblümt ein Verhältnis zur Sprache kam, das bis dahin höchst diskret gehandelt wurde.

Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Palästina: Ein Esel trägt einen Sarg mit Bildern von US-Präsident Trump und Israels Ministerpräsidenten Netanjahu bei einem Protest gegen die Nahost-Pläne. © Mohammed Talatene/dpa

Der Text jedenfalls hatte es in sich, in dem Yousef al-Otaiba, Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in Washington, die Israelis sehr freundlich, aber bestimmt warnte, im Falle einer Annexion palästinensischer Westbank-Gebiete sei es mit den Annäherungsversuchen zwischen seinem und ihrem Land aus und vorbei.

Die Worte wurden seinerzeit als Schuss vor den Bug Benjamin Netanjahus interpretiert, der mit dem Segen Donald Trumps darauf brannte, israelische Souveränität auf Teile des besetzten Westjordanlandes auszudehnen. Im Rückblick betrachtet, waren sie eher ein verkapptes Sonderangebot: Verzichtet auf Annexion, dann werden wir, also die Vereinigten Arabischen Emirate, kurz VAE, euch nach Kräften belohnen.

Donald Trump spricht von „historischem Durchbruch“

Eine Chance, die sich weder der US-Präsident noch Israels Premier entgehen lassen mochten. Am Donnerstag verkündete Trump im Weißen Haus als „historischen diplomatischen Durchbruch“ ein Abkommen über volle Normalisierung und Aufnahme diplomatischer Beziehungen, auf das sich Netanjahu und Scheich Mohammed Ben Said, der Kronprinz von Abu Dhabi, unter US-Vermittlung einigten. Den Friedensnobelpreis haben sich die Beteiligten damit allerdings noch nicht verdient.

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