Deutscher Idealismus : Hegel, der Erzieher


Unterwegs zum System: Wie Hegel sich als Gymnasialrektor Bildung, Lehre und Lernen vorstellte. Und was der Philosoph damit meinte, der Jugend müsse zuerst „das Sehen und Hören vergehen“.

Jürgen Kaube | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Kann man sich Hegel als jemanden vorstellen, der Waffenübungen beaufsichtigte? Nein, nicht nur beaufsichtigte, sondern für pädagogisch wertvoll erachtete? „Schon als Bildungsmittel“, lässt er am 14. September 1810 seine Zuhörer wissen, „ist dieser Unterricht sehr wichtig“ – und er meint militärische Exerzitien. Die Übung in Sinnesgegenwart, fällt ihm dazu ein, „das Befohlene, ohne sich erst hin und her zu bedenken, auf der Stelle mit Präzision auszurichten, ist das direkteste Mittel gegen die Trägheit und Zerstreuung des Geistes, die sich Zeit nimmt, bis sie das Gehörte in den Sinn hineingehen lässt, und noch mehr Zeit, bis sie wieder herausgeht und das halb Gefaßte halb ausrichtet.“

Liegt der Sinn der Schule also nicht nur im Denken, sondern auch im Nichtdenken? Hegels Zuhörer sind die Schüler und Lehrer des Nürnberger Aegidianums, Hegel ist von 1808 bis 1816 sein erster Leiter. Was ein humanistisches Gymnasium sein sollte, war eine von keinem Vorbild schon beantwortete Frage, und wir sehen, dass Hegel sich Mühe gab, sogar den „allerhöchst anbefohlenen Unterricht“ der Oberklasse im Befehleausführen in seine ansonsten mehr dem Geist gewidmete Schulauffassung zu integrieren.

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