Kirchensteuer: Vom Zehnt zur staatlich eingezogenen Abgabe


Soll es einen Kirchensteuer-Rabatt für junge Menschen geben? Der Vorschlag aus der evangelischen Kirche wird von vielen Seiten diskutiert. Es geht um ein System, das trotz vieler Veränderungen eine sehr lange Tradition aufweist – und in seiner derzeitigen Form auch hinterfragt wird.

Christoph Paul Herrmann | katholisch.de

Einst war es der Zehnt, den die Menschen an die Kirche bezahlten. Heute ist es nicht mehr ganz so viel, aber dennoch eine wahrnehmbare Summe: In Bayern und Baden-Württemberg acht, in allen anderen Bundesländern neun Prozent des Einkommens zahlen Mitglieder jeden Monat an ihre Kirche. Kirchen dürfen, müssen aber keine Kirchensteuer erheben, die orthodoxen Kirchen verzichten beispielsweise darauf. Grund für dieses Recht ist noch heute der 137. Artikel der Weimarer Reichsverfassung. Dort heißt es: „Die Religionsgesellschaften, welche Körperschaften des öffentlichen Rechtes sind, sind berechtigt, auf Grund der bürgerlichen Steuerlisten nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen Steuern zu erheben.“

Für Religion Geld zu bezahlen, hat eine lange Tradition. Schon im Alten Judentum gibt es eine Tempelsteuer und gewisse Endgelder für kultische Feiern. Ähnliches gibt es heute noch mancherorts im Katholizismus, wenn etwa für die Feier von Taufen oder Hochzeiten von den Gemeinden sogenannte Stolgebüren erhoben werden.

weiterlesen