„Antibabypille“ und die katholische Morallehre: „In eine Sackgasse manövriert“

Bild von Gabriela Sanda auf Pixabay

Vor 60 Jahren kam in den USA die erste „Antibabypille“ auf den Markt. Millionen Frauen weltweit setzen bis heute darauf – trotz medizinischer und gesellschaftlicher Kontroversen. Und trotz eindeutiger Position der katholischen Morallehre.

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DOMRADIO.DE: Schon bei der Bezeichnung gibt es Unterschiede: Für die einen ist es die „Antibabypille“, für die anderen die „Kinderwunschpille“. Welche Bezeichnung halten Sie für angemessener?

Prof. Dr. Stephan Goertz (Moraltheologe an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Mainz): Ich würde eine Bezeichnung verwenden, die nicht bereits eine moralische Wertung enthält. Die Pille ist ein hormonelles Kontrazeptivum, also Verhütungspille könnte man sagen. So spricht natürlich in Deutschland kaum jemand. Aber für eine ethische Überlegung ist es wichtig, das Urteil nicht schon in den Sprachgebrauch hinein zu schmuggeln.

DOMRADIO.DE: Für die weibliche Welt bedeutete die „Antibabypille“ einen wesentlichen Beitrag zur sexuellen Selbstbestimmung und eine Befreiung von der Last unerwünschter Schwangerschaften. Wie sah denn bis dahin die Realität für die meisten Frauen aus?

Goertz: Das Neue an dieser Form der Antikonzeption ist, dass nun eine Frau selbst für sich eine Entscheidung für eine relativ sichere Methode der Verhütung treffen kann. Und im Unterschied etwa zur Benutzung eines Kondoms nicht vom Willen und Mitwirken ihres Partners abhängig ist. Wenn man diesen Freiheitsgewinn nicht wahrnimmt, wird man nie zu einer moralisch gerechten Beurteilung gelangen. Die katholische Tradition tut sich bis heute schwer, Frauen als verantwortliche Subjekte ihrer eigenen Sexualität anzuerkennen.

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